Zückli

Den Porno hat Edgar Safira besorgt. Es ist einer, der unter guten Bedingungen entstanden ist. Die Leute hatten keine Geldprobleme: Spaß an Sex vielmehr. Das kann man ihnen auch ansehen, das macht ihn wahr, und das macht ihn erotisch, findet Safira, und bemerkt, dass die Frauen keinesfalls untergebuttert sind. Aufrecht sind sie; schön.

Edgar, der Feminist. Nicht auf eigene Interessen schielend. Auf das, was offenbar ist. Als Safira den Film schaut, macht er Himbeermarmelade. Danach Pfannkuchen. Das geht ja gut zusammen, denkt er, die Marmelade ist noch warm, als sie essen, Safira mit dem Gucken endlich fertig ist.

Ich wünsche mir Quittengelee mit Zückli, sagt Edgars langjährige Freundin. Dem Süßstoff aus der DDR. Wird das noch hergestellt? Kann man das irgendwo kaufen. Sie ja möge das Wort so. Und die Quitten. Auch die Birnen. Birnengelee, das wäre gleichsam was. Safira mampft die Pfannekuchen.

Ja, und dann esse ich das ganze Gelee mit einem Schlag auf, ulkt sie. Da der Zucker fehlt, der konservierende. Und danach guckst du einen fairen Porno und wir nennen es Weihnachten, fällt Edgar mit ein, der sich seinen Himbeerbart abwischt. Weihnachten nur einmal im Jahr, das ist auch zu wenig! Findet Safira. Wollen wir dann und wann? Wann? Dann.

Die Pornos lassen mich abstumpfen, offenbart Safira ihrem Freund. Mach Fifty-Fifty, schlägt dieser vor. Guck mal einen, mach mal über Fantasie. Und schreib vielleicht darüber, lege dir ein Tagebuch an. Beim Schreiben mag es sprudeln und immer sprudeln – neue Ideen für dich! Sì, antwortet Safira, ich bestelle eines, in Raspberry-Minze! Gut, so Edgar, aber warum Minze. Wegen Raspberry. Das geht gut zusammen, das finde ich so. So so, so Edgar.

Und sie legen sich aufs Bett und füßeln ein bisschen, unter der Decke, die sie bis obenhin gezogen haben, da das Fenster auf ist, ein kalter Märzmorgen ist.

Durch die Fenster, die bis zum Boden gehen, und auf der anderen Seite fast bis zur Decke, begutachten die Zwei ihren Hühner-Harem, ein Hahn, vier Hennen. Wir können Dinos aus ihnen züchten, bemerkt Safira. Ist das wahr, so Edgar. In einem Huhn das Genom eines Dinosauriers, so Safira, es – ja, wäre wahr. Die beiden stellen sich einen Garten vor, in dem Olivenbäume sind, Zitrusbäume auch, dann antike Statuen, und über dem die Echsen fliegen. Wir füttern sie mit Thymian, ok, fragt Edgar. Warum Thymian, sagt Safira. Koriander ginge vielleicht auch, meint Edgar. Oder Mais. Dann sehr sicher sind die Eier schmackhaft, so der Ostdeutsche in Genua. Dann ist ja gut, sagt Safira. Und die Pannekauken auch, so Edgar, und Safira gibt ihm einen Kuss auf die Schläfe rechts, und Edgars linkes Auge geht zu, dann das rechte, dann küsst er zurück, und im Kusse sind die beiden ganz Ei, ei ei.