Wüst in Wüste

Das graue Haar Celines geht nur manchmal bis zu ihrem Po. Manchmal fällt es auch auf Füße. Denen von Magnus. Er liegt im weißen Leinen ihres Bettes; Celine, sie steht am Ende, unterem, und kitzelt. Kitzelt die Füße von Magnus. Er raunt. Kratzbürstig, das raunt er.

Sie trägt das Haar wie in ihrer Jugend. Offen oder zu einem strengen Knoten, hinten unten. Zwischendurch hatte sie einiges ausprobiert. Nach hinten gekämmter schulterlanger Nasslook, Rosa, Kupfer – Kastanie.

Magnus raschelt und räkelt im Bett. Celine macht Grog und Kakao. Sie eröffnet, in Negev habe ich mich gegen die Asexualität entschieden. Über mir das Firmament. Die klare Nacht der Wüste. Mein Guide schlief, ich war draußen. Keine Hyäne kam, mich zu beißen oder zu reißen: Ich vielmehr dachte an Sex, an meinen. Mit 53. Es war so gewesen, ich wollte keinen. Ich wollte alles der Liebe; dachte, ohne Sex, das wäre wahrer. Doch in Israel, der Wüste Negev, das Gefühl, das ist ungeklärt in mir. Ich war plötzlich offen.

Damals hatte ich keinen Freund. Es ist auch schwer, jemanden zu finden, der mitgeht oder aber – ebenfalls so angelegt ist in sich selbst. Danach nur du. Du hattest mit mir deinen ersten Sex? Ich, ja. Ich war gar nicht in Rollen gepresst. Ich kochte nicht, ich hatte keinen Sex. So eben war das. Magnus: Warum sagtest du das nur nie? Mir. Warum hast du mir das nicht gesagt. Und Celine entgegnet, um es einfacher zu gestalten. Ich wusste, wie es geht. Das dann schon. Das habe ich gemerkt, sagt Magnus, nicht schmunzelnd. Celine: Es war jedoch so, ich habe gespielt. Alles gemacht, was ging, dabei nicht geschielt auf Wirkungen in mir. Das würde ich aber gerne. Drum, heute, die kolossale Beichte, die ungeheure, die auch tolle, und nun, sagt Magnus, und nun, sagt Celine – dachte ich, wir machen mal seichter. Seichter in Hinsicht auf mich. Alles, was ich tue, möchte ich auch fühlen. Ein Anbeginn. Magnus nimmt seine Hand an ihren Kopf. Und da, in Wiegenwipfelkeit, Stadt vor der Hauptstadt, fasst er mit der anderen Hand in ihren Schritt.

Sie knallen aufs Bett. Es ist, als wären sie auf E. Alles wird gestreichelt, in hastigen Bewegungen. Doch liebevoll. Als Magnus in Celine ist, wird er langsamer. Bestimmt auch. Als er kommt, entschuldigt er sich. Denn sie tat das noch nie.

Sacht lässt Magnus Celines Haar über seinen Kopf fallen, er ist nach vorne gebeugt, hyperempfindsam. Celine trinkt die starke kalte Schokolade in großen Schlucken.

Am Teich, in dem die Kois schwirren, in ihrem Blau, dem Gelbgrün, und dem Orange, ist sie gelöst. Es erfreuen sie die Karpfen. Vor fünf Jahren in der Wüste, konnte sie ein Ich, dem sie etwas geben gekonnt hätte, nicht ausmachen. Es war ihr abhandengekommen. Auch das Jetzt war – nicht da … Sie konnte die Momente nicht greifen. Es kam nicht über Nacht. Es kam über die Jahre, step by step wie bei den New Kids on the Block, Celine atmet aber nicht auf. Sie atmet es einfach ein. Die schiere Hässlichkeit von damals: Verdrängt wird sie nicht. Vielmehr gleichsam – gefühlt, und das nicht immer leicht, sehr sehr schwer sogar sehr sehr oft, und aber das ist es, was sie nun hat, das macht sie nun aus.

Magnus kommt im Schlafanzug heraus in den Garten. Celine küsst ihn auf die Stirn. Sie schauen die Kois, im Jetzt, und ihnen, und sich, und nicht mehr alles weg, alles aus, und daraus ein Paar, eine Schar an Schönem, zum Gewöhnen.