Wie die Glocke ertönt, ist der Herbst zurück

Klack – Avas Eis lag auf dem Boden. Hätte sie nur oder könnte sie noch; wohl kaum, Marshmallow war aufs Parkett des Eis-am-Stiel-Ladens geklatscht, da kam ein mittelgroßer Tourist herein in der Stadt Prag, du konntest auf den ersten Blick sehen, dass er ein Tourist war, woran, das war nicht zu ermessen, dass er es jedoch war, das war ganz klar – haben Sie Spaghetti-Eis?

Im Moment nicht, entgegnete die Verkäuferin. Haben Sie keine Quetsche – der Tourist. Hm, ich will hier eigentlich keinen Comedy machen, schien die Eisfrau unerpicht zu denken, Eis verkaufen will ich, ok, dann Vanille, so der Tourist. Klein, mittel oder groß? Na, mittel?! erwiderte der Tourist – mehrere Fehler. Sein Na, es suggerierte, ist doch klar, doch der Tourist – schob eine Frage hinterher. Das Ganze – auch Reaktion auf eine Frage, da nimmst eigentlich auch eine Antwort, dachte Ava, wenn eine Frage kommt, kannst du deine Stimme sogleich so anlegen, dass du mit Nachdruck etwas hervorbringen kannst. Selbst ich weiß nicht könntest du mit einer Bestimmtheit sagen.

Eine Frage auf eine Frage, Ava fands doof und ging; war sogleich verloren, als sie auf die Gasse vor dem Laden trat. Die Luft – roch blumig – und das in der Stadt, die Felder müssten doch weit weg sein, dachte Ava und roch und roch dies Blumige. In lauer Luft blumte es herum und Ava konnte nicht umhin, tief einzuziehen.

Sie trug schon eine Wollhose. Es war Spätsommer. Da sah sie sie: sah die Rosen, die rankten an einem Haus entlang, an dem sie gerade vorbeiging, der Wind stand so, dass er deren Duft verströmte, die Sorte war eine späte; duftige. An dem Haus auch ein Zaun. Und in der Mitte des Bauzauns das Schild: Achten Sie auf die Rosen.

Es war so unwirklich, eine so große Stadt, und mitten darin dies Schild. Achten Sie auf die Rosen. Ava las das noch einmal, senkte den Kopf und ging dann hindurch. Über ihr ein Dach aus Blumen. Neben ihr der Bauzaun. Und noch mehr Blumen.

Dann zum Auto. Auch Ava war im Urlaub. Mit dem Auto wollte sie heute ins Umland, einfach nur fahren, Ava fuhr nun mal gern, noch dazu bei dieser Witterung, Scheibe ganz runter, Spätsommer rein. Aus dem CD-Player erklang Adele.

An einem Kirchturm kam Ava vorbei, da war es schon Abend. Sie ließ das Auto aus, ging raus – besah den Turm. Herzstück eine Glocke. Sehr XXL … Sie wollte hoch, stieg dann auch hinan und auf den Turm herauf, der zu dieser Glocke führte, auf einmal stand sie inmitten des Gebälks – und sein Monster ertönte. Ava erspürte sofort den Hauch Herbst, guckte sich um. Herbst, das ist ja etwas vollkommen anderes. Wie eine andere Art, zu schmecken, zu fühlen, ja, nur zu gehen. Er war lange nicht da gewesen. Nun aber doch schon, schon während die Glocke noch tönte, erreichte sie der Wind. Da dort alles offen war. Wo sie stand. Der Wind erreichte sie, war von überwältigender Klarheit. Ganz anders, als der Sommer, gerade auch ganz anders – als der Spätsommer. Der hatte eine Dichte, die nun wie weg erschien, so klar, wie die Luft es war, war es nun Herbst.

„Wie die Glocke ertönt, ist der Herbst zurück“, gelesen von der Autorin

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