nowhere


nirgends dezember

mach doch mal was ganz. mit tränen und wut. einem ende. nicht so halbwarm. ich sage nichts, auch nicht, dass ich seit wochen verzweifelt bin und drüber über. der grenze des mir möglichen. es gibt keine pause, gibt nur noch das. ich leg dann auf.

märzhase, früher

kaspar isst kaltschale. er klingt natürlich. murrt ein wenig, alles wie immer also, das lässt mich mich behaglich fühlen. wir raunen uns an und staunen uns an an uns und ich lass den hörer liegen, als ich mich fertigmache, das haar kämme und ins nachthemd schlüpf. ich höre ihn über das auerhuhn reden. huhuu, mache ich in den hörer. kaspar sagt, also gut, gut nacht! bis morgen!

wo fuchs und hase sich gute nacht sagen?

mit den stäbchen esse ich gebackene bananen. das chinesische restaurant ist überoll aber die banaanen, die bananen. mein handy sagt grizzly, es ist die app der partnerbörse. ich widme mich ihm sofort. und lang! das restaurant blende ich aus. ich bin allein dort, wegen der bananen. die esse ich auf, doch ist es hektisch, ist es eigentlich kein genuss. sie schmecken zu konzentriert und wollen nicht recht runter. ich kann nicht anders. nun ist kaspar.

er sagt, ich habe ms. er sagt nicht, du, ich muss dir was sagen. ich seh auf einmal die buchstaben und bestell einen litschischnapps. dann schreibe ich nicht mehr, erstmal. es ist selbst in diesem ersten punkt nichts, das ich für mich irgendwie, wo auch immer, nein, nirgends, als von belang empfände. ich denke an ihn, an eine bürde, aber er bleibt kaspar. letzteres schreibe ich. er ruft an. ich spüre eine schwere, doch nehme den anruf an, bitte wart, sage ich, ja, antwortet er, ich bezahle, kaspar jedoch wartet nicht, er plätschert los wie warmes wasser, rinnend über meine hände. ich sauge das auf und hoffe, nie wieder. selbst sprechen zu müssen. dann ist es jedoch irgendwann an mir, ich stoße einen schrei aus, sehr leis. ich bin auf etwas getreten, erkläre ich das. was nicht stimmt, aber. und aber kaspar redet dann nicht weiter, er sagt bis morgen, ich will sagen bleib, ich will nichts, als ihn hören hören hören, doch er hat aufgelegt. ich weiß, dass er wieder anruft. am nächsten tag. so war es immer, gleich vom anbeginn an, als wir uns kennenlernten.

dann ist es nicht mehr so  

ich gehe noch spazieren. wenn ich das tue, so nicht in krodd. ich fahre ein stück mit dem auto, gehe dort. im wald, im park, alles, aber auch nicht an der ostsee. die ostsee, für mich, gehört zu krodd.

krodd liegt an der landstraße l 01. es ist seine einzige straße. sonst hat das dorf nur angeschmutze häuser, beige mit grauen sprenkeln, daran die höfe. auf denen alles draußensteht! alte autoteile, rostig tonnen, wäscheleinen. daran bammeln sie, die üppigsten der schlüpper in rosa und in weiß, und flauschebauschedecken. ausgeleierte verfusselte verblichene leggings, die auch. es gibt kein haus in krodd, das nach der ddr gebaut wurde. auch keines, das es davor wurde. es gab keinerlei aufhübschungen hier, die leute viel eher kaufen sich coole autos, die sie in ihre abgewrackten garagen stellen. cool, ist meist opel.

als ausnahme der greis, der, verrückt dreinschauend, jeden freitag mit seinem fahrrad in den wald fährt, um dort kräuter zu rupfpflücken. eine alditüte schlingt er immer um den lenker. den er mit hageren händen fasst, und behaart.

geh ich heut am fluss entlang, ist es gleichzeitig radikal – und sanft. dort es plätschert und plätschert. hört nicht nach zwei stunden auf, wie kaspar. doch da weiß ich noch nicht, wie es noch wird. vom telefonat im chinarestaurant an – macht er sich rarer, immer rarer. von mal zu mal des telefonierens das. vom schreiben will ich gar nicht reden. und es geht gen 0. ich verzehre mich nach ihm und winde mich, so wie er sich herauswindet. ist es 0, vergeht die welt. auch ich beginne – mit ihr zu enden. erst ende ich nur ein paar stunden. dann tage, dann wochen. schließlich monatelange frappierende angst, und ich? schatten. in den flirrig schwirrend schatten – bilde ich mich aber nicht neu, wie man es erwarten hätte können. genau genommen, passiert nie etwas.

zwanzig minuten warten. als ich jung war, war das nichts. zwei stunden warten, das war auch damals schon viel, doch ging die zeit meist schnell herum, ich schaute auf eine lichtreflexion im aschenbecher, rum. heute kommen zwanzig minuten mir manchmal lang vor. ich kann es nicht mehr. das warten nicht mehr. drum erstes atmen, ein, aus, now here, mir.