Notiz

“Die Blüten sinken herab

Er schließt das große Tempeltor

Und geht”

– Bashō

 

Ehrlich

 

Roland Barthes zu lesen, legte was frei. Etwas, das ich längst schon wusste, glaube ich, jedoch nicht so sah, und es ist, dass, wer einen Roman schreibt, der lügt oder die. Sich unter anderem das Zierwerk zusammen, und Zierwerk, das ist da viel. Nicht jede*r vermöge es, so Barthes, und ich vermag es nicht, so ich, gerade nicht, gerade ich zumindest. Auch die Aussage „Wesentlich“ ist im Roman angepasst. Lügend Lüge.

 

caput

 

Ich habe einmal gedacht, es ist lange her und ich hatte es vergessen, dass, wer in meinem Kopf ist, und den*die ich liebe, darin bleibt. Oder Szenen. Schöne. Mit diesen Menschen. Das bedeutete mir viel, und doch, ich hatte es vergessen; lange; tief. Ganz kürzlich erst erinnerte ich mich. Es war wieder so schön.

 

Lüge

 

Ich mag die Lüge nicht. Ich nehme mir die Lüge für mich nicht. Eine kleine. Seltener. Dann vielleicht schon. Und nicht mehr. Nie. Es geht dies Wort. Nie. In mir springt dann ein Gang ein, der die Lüge auf unmöglich und meinen Kopf gerade setzt.

 

Beruf

 

Ich wusste lange nicht, was ich will. Vielseitig interessiert, adoptierte ich aber nichts. Die Musik die Ausnahme. Die war mir bedeutend. Doch da konnte ich nichts. Dann das Schreiben. Es ist ok für mich. Wie lapidar das ist. Es ist ok für mich. Ich, nun, kann mich identifizieren, das so sagen, so sein.

 

Achtsamkeit

 

Ich saß mit einem Taschentuch im Korridor der Musikschule und spürte die Welt so. Oder auf der Straße den Wind an den Armen. Im Sommer. Im Schönen. Das Schöne.

 

Der Buddhismus lag mir sehr. Und doch, nun trag ich ein Kreuz um den Hals. Weil es nötig war.

 

Ich habe einen Mönch mit orangener Robe mal mit einem Schäferhund auf dem Fahrradweg gesehen.

 

Ich bin auf einem Haflinger mit Fohlen im Flachen der Ostsee geritten. Nicht schnell, der Löcher wegen, die in der Ostsee manchmal sind, Schritt.

 

Gehen

 

Ich ging immer so gerne. Nicht weg. Den Weg entlang. Immer immer ging ich so viel und hatte dabei meine wichtigsten Gedanken.

 

Schulweg

 

Als ich früher von der Schule nach Hause kam, das Stück Gehweg ging von der Bushaltestelle bis zum Haus, da habe ich oft komponiert. Es blieb in meinem Kopf, und aber ich fand es bedeutsam; sagte mir, dass ich eines Tages Hörbares daraus mache. Dass es egal wäre, wann das wäre. Heute singe ich und tu ein wenig mit Ableton. Ich möchte vielleicht das Cello lernen.

 

Ich höre Joy Division, R.E.M., The Cure, Placebo, Kettcar, Sophie Hunger, Lina Maly, Birdy, Boygenius, Nathan Fake, Jon Hopkins, Pantha du Prince, Oliver Coates, Nils Frahm, Kiasmos, Rival Consoles, Rone, Vril, Kyle Hall, Yann Tiersen, und Sets der DJs Ivan Smagghe, Stingray, Dr. Rubinstein, Mike Servito, HAAi, Lawrence, Roman Flügel und Oscar Mulero. Mein Lieblingsmusiker Clark. Lieblingsinterpreten, Seong-Jin Cho und Sào Soulez Larivière. Sänger Matthias Goerne. Lieblingskomponisten sind da Arvo Pärt, Debussy und Bach. Liebste Stücke “Landungsbrücken raus”, Rach 2, “Ted”. Autor, Autorin. Judith Hermann und Roland Barthes.

 

Frau und frei

 

Ich fühlte mich immer so frei. Wenn Menschen dazukamen, auch mal als Frau. Das war aber nicht schön. Da wir nicht als gleichwertig geachtet werden, was jedoch wir sind. Selbst die Frau selbst buttert sich mitunter unter. Am Schönsten für mich der Feminist. Ein männlich Frauenrechtler. Sich nicht für sich ins Zeug legen. Für das, was not tut. Das kann aber auch mal man selbst sein. Oder frau.

 

Feminismus, Tierrechte, der Holocaust sind meine Lebensthemen. 

 

Ich möchte vielleicht altes und neues Hebräisch lernen.

 

Nichts

 

Ich fühle mich wie das Nichts. Nicht im Sinne fehlenden Selbstwertes. Einfach in Bezug auf die Dinge der Welt, mit denen ich bin, ich nehm die Dinge wahr, nicht mich.

 

Mode

 

Mode ist Kunst. Ich mag coole Klamotten.

 

Déjà-vu

 

Ich habe ein Déjà-vu. Wie manchmal.

 

Purismus

 

Ich liebe es asketisch und klar.

 

Die Welt ändern

 

Nur ein kleines bisschen, die Welt ändern, finde ich, glaube ich, wichtig. Weil die Dinge zu platzen scheinen. So Unsinn sind sie.

 

Und selbst platzen?

 

Wer nicht selbst platzen will, benötigt passendes Umfeld.

 

60

 

Ich dachte früher, bis 60 ist gesichert. 

 

“Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren”, Pina Bausch

 

Ich mag die Schönheit der Mathematik und trinke gern Sencha. Ich meditiere. Mache japanische und andere Kalligrafie. Mache Bokuseki. Tanze Butoh und contemporary. 

 

Das Beste auf der Welt sind für mich mein Freund, lesen, Arthos.

 

Als Kind habe ich mal gegen einen Mann das Wort erhoben. Der einfach Dünnpfiff redete. Er so, das kannst du noch gar nicht wissen, dir fehlt die Erfahrung. Und ich sagte, ich brauche keine Erfahrung, da ich es bis zum Ende durchdenke. Und das sogar besser ist! Ich liebe Fridays for Future.

 

Ich liebe Papier. Mein liebstes Papier ist dies Bibelpapier, Dostojewskis “Der Idiot” war meine erste Berührung damit und auch das Werk ist wunderbar. Ich mag auch Pergament, handgeschöpftes Papier, japanisches, zum Beispiel. Die Arbeit “Medusa” von Laimuté Varkalaité finde ich kolossal. Mit Stoffen, die wie Papier sind, kann man manchmal gut Kalligrafie machen, zart. Auf Papier!

 

“Fast alle Menschen gehen mit geschlossenen Augen durchs Leben, von ihrer Geburt bis zu ihrem Tod. Auch Sie und ich, Schmuel, mein Lieber. Mit geschlossenen Augen. Würden wir die Augen auch nur eine Sekunde öffnen, würden wir auf der Stelle einen schrecklichen Schrei ausstoßen …” – Gerschom Wald in “Judas” von Amos Oz