„Können Sie nicht?!“ – „nein, gerade nicht“, …

… „einmal herüberrutschen“; „ich weiß – und sagte schon, dass nein, nicht“, BETRETENE Stille – und die Frau huscht vorüber.

Über Mut

Ich sitze in der Straßenbahn. Sitze immer noch. Ich konnte nicht aufstehen eben: einen Sitz zum Fenster weiter, denn dort liegen die Bögen. Ich dachte, ich werd‘ Architektin, und hab‘ schon mal was aufgemalt. Etwas mutlos vorzuzeigen … der Familie, an Muttis 50ten und ich, die sie mich mit 20 bekommen hatte, habe immer noch nicht studiert. Sie erkennen mich nicht an. DES-HALB …

Die Fahrt, sie kommt mir auch gerade vor, wie halb bis nach Dessau. Es sind 7 Minuten Fahrt. Nicht viel für Leipzig, doch ich … drehe gerade ab …

Drehe ab auf meinem Stuhl – und jetzt schnellt auch noch ein Bogen runter.

Danach kramen. Auch die anderen Bögen rutschen. „Ach, kommen Sie doch wieder; nun ist frei“.

Ich will nicht zum Geburtstag.

Alle werden immer begrüßt. Ich auch! Nur als letztes.

„Und, wie geht es dir? Nils! Agnes! Egon, Max und Kilian.“

Ich heiße Kalinda. Und meinen Namen nennt niemand. Vielleicht ein ganz Abgeschlagener: Netter. Wie auch ich es bin. Abgeschlagen. Nett! So nett, dass ich mich spätestens beim Tischgespräch nicht mehr durchsetzen kann und nur alles noch an mir vorbeiziehen lasse. Die Stimmungsmacher. Die grell Lachenden.

„Sowas sollten wir öfter machen, wie wär’s! Brunch im Frühjahr?! Wann kannst du, Nils? Wann du, Agnes! Und Egon, Max, und Kilian? Wann könnt ihr!“ Auch ich arbeite. Studiere nur noch nicht. Aber ich arbeite und habe nicht immer Zeit.

Warum werde ich nicht gefragt, zumal ich schon mit soll, schon immer auch mit soll …

Ich komme am Bayerischen Bahnhof an. Hier muss ich raus und dann gleich wieder rein; bin da.

Alle werden begrüßt. Ich auch! Nur als letztes.

„Und, wie geht es dir? Nils! Agnes! Egon, Max und Kilian.“

Ich heiße Kalinda. Und meinen Namen nennt niemand. Vielleicht ein ganz Abgeschlagener: Netter. Wie auch ich es bin. Abgeschlagen. Nett! So nett, dass ich mich spätestens beim Tischgespräch nicht mehr durchsetzen kann und nur alles noch an mir vorbeiziehen lasse. Die Stimmungsmacher. Die grell Lachenden.

„Sowas sollten wir öfter machen, wie wär’s! Brunch im Frühjahr?! Wann kannst du, Nils? Wann du, Agnes! Und Egon, Max, und Kilian? Wann könnt ihr!“ Auch ich arbeite. Studiere nur noch nicht. Aber ich arbeite und habe nicht immer Zeit.

Warum werde ich nicht gefragt, zumal ich schon mit soll, schon immer auch mit soll …

Dann der obligatorische Moment mit den Wirtschaftsflüchtlingen.

Papas Stimme wird ‚Tick lauter. „Die sind aus wirtschaftlichem Grund hier“. „Sie sind es nicht“, so ich. „Natürlich sind die das“: Papa. „Dann musst du dir die Zahlen einmal ansehen und auch: sie hintergründig betrachten“, was ich hatte, nur gemerkt – hatte ich sie mir nicht. „Sie sind hier, weil sie in ihrem Land verfolgt werden und ausgeraubt, vergewaltigt und getötet“. „DIE können ja bleiben“. „JA“, so ich: „Die bleiben auch.“ Ruhig sage ich es heraus. Eigentlich – bin ich WILD. Obwohl, ich kenne es. „Was du sagst, empfinde ich als diskriminierend“, sage ich. „Diskriminierend!“, wiederholt Papa.

„Machen wir doch mal eine Umfrage. Hier! Jetzt! Im Raum. Wer ist der Meinung, dass Kalinda im Recht ist“, so er. Das große Raunen. Nichts weiter! Ein Raunen. Niemand nimmt ’ne Hand, niemand sagt etwas. Oh. Doch … Es ist Georg. „Die Zahlen sprechen die klare Sprache“. Doch auch er kann mit ihnen nicht aufwarten, er entschuldigt sich. Erste Zustimmung für mich. Dann mehr: Am Ende sind diverse Hände oben. Fast alles im Fluss, doch freuen kann ich mich nicht. Da nicht ich es war, die dies herbeigeführt hatte: die Wahrheit es nicht war. Stattdessen hatte sich Georg, Vorstandsvorsitzender einer großen Sache, zu Wort gemeldet – ab da, ganz genau da, die erste und die weitere und die schlussendliche Zustimmung.

„Das hier – das – war etwas, worüber sich kein Flüchtling freuen sollte und auch meine Person ist ganz schön anti“, erkläre ich. „Aus den falschen Gründen habt ihr zugestimmt.“ Und ich steh‘ auf. „Ihr habt genau gesehen, dass ich im Recht war. Ihr habt es gesehen – und ihr habt es übergangen. Da mein Vater der Angesehene ist. Da beziehungsweise Georg dann der Angesehene war. Es ist immer gut, in der stärkeren Gruppe zu sein – FÜR. SICH. SELBST. Aber es geht hier nicht um euch … Es geht um Andere! Und es geht um Wahrheit. Ich weiß, das ist spacig, aber ich bitte, das zu versuchen, zu verstehen: Ihr – so – könnt vorübergehend das Richtige erwirken – mit Glück. Aber auf Glück sollten wir nicht bauen. Denn LANGFRISTIG: Langfristig, da würde diese eure Vorgehensweise, so publik sie auf dem Erdball nun auch ist, nichts als sich den Weg bahnendes Gift sein. Und auch ihr seid Gift für mich, seid es schon lange“. Ich gehe.

„Sie haut mal wieder durch“, hört man noch Oma, „die kommt schon wieder angelaufen … “ Doch niemand kommt mir nachgelaufen … Ich habe gerade ein Ansehen erlangt. Nicht jedoch dringt es nach Außen: in die Gruppendynamik rein … Ein jeder weiß es! Keiner kommt nach.

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