Inoffizieller Lebenslauf

Sie müssen es so rum machen. Nein, muss ich nicht. Und anders herum ist auch effektiver.

Toni lachte auf. Gellend. Und nochmal! Herr Giebmilch beäugte. Schien wohl verdattert! Toni war nicht entzückt. Das war der Menschen‘ Zug, sich nicht einzugestehen – dass man’s nicht konnte … Oder MAL nicht.

Wenn Sie es mich nach mir machen lassen, steigert das Ihren Profit. Was fällt Ihnen ein. Nun, mehr, als Ihnen im Moment. Sie können gehen … Ja.

Es wurde da Toni gekündigt. Nach noch nicht mal einem ganzen Tag. Wieder einmal.

Hätte sie all die Drogen nach dem Abi nicht genommen, würde sie nun Robotik studieren, nicht jobben im Tabak-Markt. An der Tankstelle … Im schlechten Restaurant.

Sie nahm an, es war evolutionär bedingt. Der Giebmilch und die anderen könnten ihre Familien nicht ernähren – wenn sie nicht ihre Positionen behaupteten und die allerbesten aller Ideen hatten; vermeintlich. Ekelhaft fand sie’s trotzdem. Und es brachte auch keine Scheine ins Portemonnaie.

Toni, sie war altruistisch. Zudem ehrlich. UND hatte einen hohen IQ! Kein guter Mix – wenn man das Umfeld nicht hatte.

Und sie, sie hatte es nicht, selbst ihre Familie war ganz einfach, sie redete gegen Wände, wurde nie verstanden, war allein deshalb, das auch zutiefst … Macht es morgen möglichst nah an dem, was ich dir eben ausführte, dann werden wir uns in Köln auch treffen. Ihre Familie kam vom Land aus nicht oft in die große Stadt und Toni, die wollte einen Plan geben. Ja, aber können wir nicht, so die Mutter … Nein. Wie ich eben sagte. Soll ich es nochmal sagen? Es wird sich nicht ändern, dass es ’ne ziemlich effektive Lösung ist, auch nicht, wenn du zehnmal dagegensteuerst. Die Mutter steuerte dennoch zehnmal dagegen. Am Ende versuchten sie es, wie Toni zuerst vorgeschlagen hatte. Mit einer entnervten Tochter dann nur.

Es war an einem Sonntag und Toni, am offenen Fenster, las zum ersten Mal von Hochbegabung. Im Internet war’s und sie weinte dabei. Das war SIE! Und in Gänze, und immer wieder … das war IHR Lebenslauf! Toni las von den Problemen, die Hochbegabungen mit sich bringen konnten, sie konnten verheerend sein, was sie irgendwie schon immer gewusst hatte, da sie selbst Paradebeispiel war, und fasste den Entschluss. Einen Test machen! Sie. Bald. Vielleicht noch in diesem Sommer! Oder im Herbst.

Machte ihn: rasselte durch. Da sie den Matheteil verhaute. Sie hatte nie Kopfrechnen gekonnt und auch mit den Textaufgaben hatte sie so lange nach dem Abitur ihre Probleme. Also ran. Geübt! Es ging ihr nicht darum, ihren IQ zu erhöhen, sei es eine echte Erhöhung oder aber eine scheinbare durch gekonnteren Umgang mit eben den einschlägigen Aufgaben. Sie WOLLTE mehr Übung mit den einschlägigen Aufgaben. Eigens aber für ein aussagekräftiges Ergebnis.

Bekam es ein halbes Jahr später. War in Mensa drin und damit der Hochbegabtenvereinigung, die die Vernetzung der nicht ganz elitär ausgewählten aber ausgewählten Mitglieder förderte, das nicht nur vor dem PC: auch im analogen Leben! Durch seine Größe konnte Mensa viele Möglichkeiten offerieren, ja, Toni hatte bald viel Spaß. Sie war in einer Gruppe zu Philosophie … in einer zur künstlichen Intelligenz, na, und dann kochte sie gerne für weitere Mitglieder Chili-Kokos-Suppe mit Nudeln und Sprossen.

Underachievend war sie noch immer. Was nur kannste ohne Ausbildung? Programmieren? Schreiben? Doch auch das nicht ohne Wissen! Beziehungsweise Talent … Am Besten ja wäre auch noch Erfahrung gewesen, doch wo sollte sie DIE nun herbekommen?!

Vollführte dann ein Second Life: begann und führte fort eine Arbeit in einer Gärtnerei, ganz fernab von Vorgesetzten, nur Blumen – und abends war dann Vernetzung. Und an den Wochenenden, dem Urlaub … Hätte es Mensa damals nicht gegeben, Toni hätte ein vollendetes Boreout bekommen, sie flog schon in dessen Dunstkreis, doch dann klippten die anderen Schlaumeier ihr einen Fallschirm an, jeder eine Schnalle, schnapp schnapp schnapp, dann hatte sie ihn dran und konnte wieder auf die Erde. Einfach stehen. Das schaffte sie vorher gar nicht! Glich viel eher einem lebenden Stehaufmännchen, kommend doch eigentlich aus dem Kinderzimmer … Leider nur war Toni gar kein Kind mehr! Und auch die wurden irgendwann gefördert … Doch Toni war ein anderer Jahrgang, es hatte die Hochbegabung ihren Wert noch nicht beim Kind Toni. Nicht auf die Idee, dass sie eine Klasse überspringen hätte können, kam jemand.

Wir suchen Texter für ein Food-Projekt, las sie eines Tages in einer großen Anzeige. GING ins Assessmentcenter, bekam die Arbeit. Toni war auch kreativ, das sogar sehr. Es, nur leider, war hier so, dass sie unterstützte, was sie nicht selbst hielt. Eine PR-Megalopolis, die geht so, dass für Geld gearbeitet wird, nicht … die Ethik. Toni in Unglücklich dachte nach über eine App. Programmieren, Schreiben, da hatte sie eine Hand. Einer Bestätigung im real real life noch außerhalb von Mensa hätte es auch dringend bedurft, und Toni fand sie. Ein moralisch geprägtes Unternehmen war es, das sie auftat, die Mitarbeiter nicht dem Geld verhaftet, Idealen viel eher. Und so hatte sie auch – wiederum außerhalb von Mensa auch – ein Umfeld. Sie lernte, was es bedeutete, zu überzeugen und fand sich in ganz GANZ wieder: Ihr Lebenslauf der verborgenen Gefühle, er offenbarte seiner Lücken nicht mehr.

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