EIN „ÜBER“

Ich bin Dana. Ich bin das schon sehr lange, seit … 1981! Und wo ich ging, war ich gerne Dana. Ganz großkotzig äußernd, altruistisch zu sein, brachte mich genau das immer sehr ins Reine mit mir. Ich stand hinter jeder meiner Entscheidungen: Weil sie aufrichtig waren … Nicht immer war auch das Ergebnis gut, doch spielte die Rolle hier die Intention. Die stimmte immer.

Wie an diesem Abend im Garten hinter unserem Haus, da, als ich beschloss, nicht zurückzugehen mit meinen nackten Kinder-Füßen, denn ich wollte die Insekten nicht zertrampeln, die sich ebenfalls diesen Pfad ausgesucht hatten. Ich blieb auf meine Decke unter dem Baum, bis es draußen feucht wurde. Ich dachte, vielleicht betonieren wir einen Weg, auf dem wir dann gehen und laufen könnten, ohne zu töten, und BEIM Betonieren passen wir eben auf.

Das wurde nicht gemacht. Wie Vieles nicht …

Die dann Jugendliche Dana zum Beispiel wollte Tänzerin im Contemporary-Bereich werden und hat sich aber auch als Komponistin gefühlt – was es eigentlich noch zu erreichen galt, das ist die Gehweggeschichte. Kam ich von der Schule, kam ich irgendwann an den Gehweg am Teich, und immer dann ging’s ziemlich ab: Ich komponierte wild herum. In meinem Kopf entstanden ganze Sinfonien, manchmal – auch nur eine Melodie, meist jedoch war es wirklich komplex sowie auch schön, und ich, ich nahm mir da vor, daraus einmal etwas zu machen, auch wenn dies erst ganz spät der Fall sein würde, ich vielleicht schon 30 wäre … Ich wollte komponieren, und zwar elektronisch. Die elektronische Musik kannte ich bereits gut, ja feierte schon im Stammclub in Hamburg an den Wochenenden, wir sind ausgerissen aus MV, und ich, ich wusste, mit – dieser Musik, da kannst du alles realisieren: die Kompositionen aus dem Kopf und in die Lautsprecher bringen.

Ich war dann auch über 30, als es soweit war, ich mir Profi-Geräte zum Produzieren elektronischer Musik besorgte. Und konnte ich ihnen die ersten Töne entlocken, sah ich meinen Schulwegwunsch bereits als erfüllt an – in Gänze sogar. Doch ich komponierte weiter. Meine Kompositionen sind bis heute aber vor allem eines: musikalische Ideen. An der technischen Umsetzung ihrer hapert es.

Ich höre auch viel Musik. Mein Lieblingsmusiker ist Clark. In Chris Clark sehe ich zudem etwas wie einen Seelenverwandten. Ich will nichts von ihm, als seine Musik, ich will kein Abendessen mit ihm gewinnen und es interessiert mich nicht, wo er wohnt. Ich verfolge sein musikalisches Output, das dann aber akribisch. Darüber hinaus mag ich es auch vor allem: experimentell. Ich liebe Jon Hopkins, Nathan Fake, Four Tet und eine Hamburger Indie-Band namens Kettcar. „Landungsbrücken raus“ von ihnen ist auch mein Lieblingslied auf der Welt – zusammen mit Clarks „Ted“, dem Song, über den ich ihn kennengelernt hatte.

Ich habe weitere Hobbys. Aber keine weiteren Leidenschaften, außer’s Schreiben. Das Schreiben, die Musik, der Tanz vielleicht noch, da gehe ich ganz auf, und ich kann und mag aber mehr – viel – mehr …

Zum Beispiel wird gesagt, dass ich ein Händchen für die Fotografie mitbrächte. An ihr hängt aber nicht mein Herz, weshalb ich eines Tages mein Fotoequipment verkaufte, um mir ein digitales Piano kaufen zu können. Ich hegte bereits in der Jugend den Wunsch, das Klavierspiel zu erlernen, es wurde vom Elternhaus nicht erfüllt, so tat ich es, mit über 30 dann wieder. Ich konnte aber nicht darauf spielen. Zu lange lag dieser Wunsch brach, ich denke, genau das hielt mich effektiv davon ab, für die Stunden bei der Kreismusikschule „Carl Orff“ zu lernen. Seit diesem Monat bin ich erst einmal aus dem Unterricht raus. WILL irgendwann jedoch erneut.

Ich denke auch, ich habe ein Händchen für Fotografie, um noch einmal aufzugreifen meine auffallend mannigfaltigen Interessen. Ich schaue gerne alles Visuelle, allem voran Kunst und Design, zum Beispiel Möbel, aber auch Produktdesign!

Dass ich nun aber in so viele Richtungen schiele, wurde mir irgendwann ein Komplex: Ich wusste nicht, wofür eigentlich bin ich geschaffen, was will ich machen auf der Welt. Ich mochte Vieles. Aber ich konnte mich einfach nicht entscheiden.

Zudem, ich hielt es lange für möglich, keine Persönlichkeit zu haben. Ich wusste nicht, wer eigentlich bin ich. Als wer kann ich in die Welt hinausstapfen – und aber heute schreibe ich eine Selbstvorstellung; es geht voran.

Im Schreiben habe ich etwas gefunden: Etwas ganz Großes! Ich begann 2016, nachdem ich viele Jahre journalistisch geschrieben hatte, auch mit dem literarischen Schreiben, und fand schnell heraus, das ist ja noch toller, das liegt mir ja noch eher!

Journalistisch hatten mich Investigatives interessiert und das Feuilleton. Ich habe beides nie gemacht, aber das wären da meine Interessen gewesen; gut aber, dass das Schreiben von Kurzgeschichten mich rausholte, eine Auswahl ihrer ist auf dieser meiner Internetseite, es ist, es liegt mir wirklich mehr. Der großen Freiheit wegen! Und der Kraft, die Wörter besitzen können. Auch ein Buch habe ich 2018 veröffentlicht. Eines – mit meiner Geschichte darin. Ich habe ein unglaubliches Feedback aus dem Familien-Freundes-Kreis bekommen! Sonst habe ich kaum Feedback bekommen, na, zwei Artikel waren erschienen, einer in der Lokalzeitung, ein anderer in einem von Menschen mit Behinderungen gemachten Magazin zu auch diesem Themenbereich vor allem.

Seit April 2019 absolviere ich ein Fernstudium zur Prosaautorin bei Textmanufaktur. Wir arbeiten zusammen an meinem ersten Roman.

Ich denke, dass meine Sprache besonders ist. Auf sie lege ich auch den höchsten Wert – nein, allen Wert.

Judith Hermann ist meine Lieblingsschriftstellerin. Ich versuche, sie nie zu kopieren, denke gleichsam, dass dieses auch gar nicht möglich wäre. Zu eigen ist sie! Wie auch ich es bin.

Ich habe einen Lebensgefährten Tobi. Aber das ist eine eigene Geschichte …

Tobi nahm mich, obwohl er auf meine Pfunde gar nicht steht. Ich habe auch noch sehr viele davon, die Medikamente waren schuld, sind es noch!

Ich habe eine paranoide Schizophrenie. 2011 ausgebrochen, begann ich im Januar 2012 mit der Einnahme von Neuroleptika. In diesem Jahr nahm ich 45 Kilo zu. Und dann noch mehr. Ausgangsgewicht waren in 2011 gute 60 Kilo. Über die Psychose möchte ich nichts weiter schreiben, ich bin’s nicht. Es ist nur, die ungeheure Angst, die ich über sie bereits erfahren musste, die möchte ich nie wieder. 2011 war auch das Jahr, in dem ich mich auf einen Ultra auf der Zugspitze vorbereitetete, ein Ultra ist ein Rennen über der Marathondistanz. Doch ich brach mir aus Ermüdung den Fuß: zu schnell trainiert …

Ich würde gerne wieder laufen. Im Moment jedoch ist ein Traum bereits das Nordic Walking, denn ich erlebe gerade Art Burn-out. Meinem Freund ging es gesundheitlich sehr schlecht EIN JAHR LANG. Ich erlebte alles sehr nah und auch, es ging mir nahe. Wie einen Computer habe ich mich immer weiter runtergefahren, na und jetzt ist Bluescreen, fast nichts geht mehr.

Ich gehe demnächst wahrscheinlich auf eine Kur, meine Studienunterlagen kämen mit. Doch gab meine Psychiaterin zu bedenken, dass ich im Moment wahrscheinlich noch nicht mal für eine Kur genügend Kraft habe.

Ich bin der Meinung, es gibt Lösungen. Nicht immer tolle! Aber doch Lösungen. Die man findet, so man sie eben sucht und dabei ethisch vorgeht in dem Prozedere. Eine bestmögliche Lösung wird sich herauskristallisieren. Die sodann umgesetzt werden kann.

Zum Beispiel fiel mir im Winter 2014/ 15 auf, es ging mir wohl mein Ich verloren. Die Psychose mit ihrer bei mir sehr langen Vorphase war es, die viel zunichte gemacht hatte, die viel geradezu plattgemacht hatte. Ich ersehnte mein Bewusstsein aus der Jugend zurück und kaufte mir ein Tafelwerk und ein Mathebuch. In diesen las ich schon gerne in der Jugend – und wenn ich es wieder täte, würde sich das verlorene Gefühl vielleicht wiedereinstellen. Versucht, geglückt, eine auch ganz glückliche Dana fand sich wieder. Aber spät. Denn voran gingen dem Fitzelchen an Gefühl. Heute bin ich mit mir im Reinen. Und ich weiß jetzt, dass das, was ich 2014/15 wiederwollte, etwas im Sinne der buddhistischen Achtsamkeit war. Ich wollte Momente mit kleinen Dingen, wie in der Hand befindlichen Taschentüchern!

Auch in der Jugend war es, wo ich mich mit Buddhismus erstmals beschäftigte. Ich fraß alle P.M.s zum Thema und zog gar in Erwägung, buddhistische Nonne zu werden. Das tat ich vor Kurzem erneut (es hat aber nicht lange angedauert). Ich habe den Buddhismus nach vielen Jahren wiederentdeckt und übe mich in der Meditation des ZEN, zudem in der Gehmeditation nach Thich Nhat Hanh. Alles nach Buch! Bisher. Es kann schon aber sein, dass ich noch einmal, so eines späteren Tages, den Kontakt zu anderen Praktizierenden suchen werde.

Das Leben, das ich hinter mir habe, war halb schön! Halb nicht! Nach einer tollen Kindheit kam eine noch tollere Jugend, ich liebte die Schule, zumal sie mir aufzeigte, was eigentlich gab es in der Welt, denn meine ganze Familie ist eher einfach gestrickt. Sie förderte mich auch nicht. Sicher ein Knackpunkt, der erst noch zu fassen ist …

Ich machte viel Außerschulisches. Ich hatte eine Mädels-Clique, mit der ich beinahe täglich zusammen war, ich nahm Geigenunterricht, ich spielte auf hohem Niveau und auch auf vielen Turnieren Volleyball, ich lernte nicht so viel, dafür passte ich im Unterricht auf und schaffte ein 2,1er Abi.

Dann verschwendete ich meine Jugend. Ich wurde ein THC-Junkie! Das erste, was ich morgens in der neuen Stadt Hamburg, in der ich 12 Jahre blieb, tat, war, eine Bong mit hochwertigem Haschisch zu rauchen. So ging es auch die Tage weiter tagein, tagaus, aus die Maus. Ich sackte total ab. Habe ich eine Drogenpsychose bekommen? Meine Ärzte meinen, nein. Sie wurde durch die Drogen, denn ich nahm auch noch Partydrogen wie Ecstasy und Speed, sicher angefacht, mehr aber nicht, da ich sie gleich nach der Schule entwickelt haben soll.

Mein Abstieg ist mit meiner Erkrankung also zu erklären. Ich erkläre meinen Abstieg auch mit meiner Erkrankung, spüle mich von Schuld ein wenig frei, ich wusste damals überhaupt nicht, wie mir geschah.

Ich lag damals kotzend auf Brillen städtischer Klos, ich wurde immer dünner, wog am Ende vielleicht noch 45 bei einer Größe von 1,70. Ich glaube, es waren 43. Sicher bin ich nicht. Ich weiß kaum noch etwas aus der Zeit!

Ich weiß noch, eines Tages nahm ich mir vor, ein Studium zu beginnen, ich entschied mich für Biochemie, mit dem Gedanken hatte ich noch während der Schulzeit gespielt. Ich wollte damit in die Psychologie. Aber ich wollte ja auch mit dem Kopf gegen die Wand. Das Haschisch war kaum raus, die Psychose brummte, und ich fand mich in einigen Vorlesungen wieder, natürlich klappte es dann im Praktikum nicht, ich flog sogar raus, richtig so.

Und auch dann konnte ich mich noch nicht richtig aufrappeln. Ich hatte so einen Wortschatz von 100 und sagte ständig dieselben Sätze: Muss langweilig mit mir gewesen sein …

Dann der Umschwung, ein Praktikum bei einem Lifestylemagazin in Hamburg. Nach bereits relativ kurzer Zeit wurde ich als Redakteurin übernommen. Doch ich übernahm ZU VIEL! Es wurde einigen Kolleginnen gekündigt – aber keine neuen angestellt, Dana übernahm. Ich machte das solange, dass die Leute mir sagten, die lassen dich doch nur ausbluten, hey, warum arbeitest du bis 3 Uhr und übernachtest dann im Büro? War zwar schön am Jungfernstieg, aber sonst hart, nicht die allerbeste Luftmatratze … Ich ließ mir solcher Sachen sagen und sagen, ich wurde ja nicht schlau, aber als ich dann mein gepfeffertes Burn-out bekam, musste ich trotzdem kündigen. 1/ 3 mehr Gehalt wurde geboten, wäre ich geblieben. Klang gut, doch GEKONNT hatte ich es nicht mehr.

Kurz darauf wurde meine Wohnung nahe von Hamburg gekündigt. Das Haus sollte verkauft werden, die Mieter nicht mit übernommen. Ich dachte, für vorübergehend wieder in die Heimat zu gehen und quartierte mich bei den Großeltern ein, 5 elendige Jahre wurden daraus, denn man verstand sich nicht. Ich absolvierte trotzdem ein Ultramaratontraining, bekam die Psychose, ich wurde freie Journalistin und schrieb ganz viel für die Ostsee-Zeitung aber auch für andere, oft trotz Symptomen, mein Kopf war immer auch fit, so wild es auch manchmal sonst noch darin zuging.

Irgendwann ein Einbruch, ich wollte mich aus meiner dritten und bisher letzten Episode 2015 nicht mehr erholen und legte die Arbeit nieder. Seitdem bekomme ich ein Rente wegen voller Erwerbsminderung, noch aufgestockt durch Hilfe, denn soviel im Leben hatte ich ja nicht gearbeitet.

Heute, dachte ich, werde ich dann Schriftstellerin.

Nein. Ich bin es bereits.

Ich allein, vor meiner Tastatur, das ist mir etwas Wahres. Sozial bin ich sowieso defizitär, eine zeitlang gar schlimm. Ich führte irgendetwas vor, verstellte mich. Seit ich das nicht mehr tue, mehr ich selbst bin, laugen mich solche Ereignisse, Spieleabende oder gemeinsame Abendessen, auch nicht mehr so aus.

Ich kann albern sein. Eigentlich bin ich ruhig. Ich bin auffallend schüchtern. Eigentlich nur unerfahren im Leben …

Ich mag mich. Andere mögen mich. Ich habe keinen Freundeskreis aber meine Familie steht heute wieder hinter mir, nachdem sie durch die Drogen einmal ziemlich duchgeshocked wurden. Man sprach sich aus, ein Tag gleich einem Wendepunkt in meinem Leben, und versuchte was. Es glückte.

Ich lernte 2007 eine Halbschwester kennen, von deren Existenz ich bis dahin nichts wusste, ein kolossaler Gewinn. Sie ist so anders, wie auch ich es bin, sie wohnt in Berlin, und ich besuche sie dort zweimal im Jahr, wir gehen heute noch auf Technoparties, nur nehme ich die Drogen nicht mehr, „nur“ noch Sound.

Ich hatte einen Hund.

 

Mai 2019, Teil einer Aufgabe „Studium“

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