Dino vs. Teddy

Rahel besah den Teddybären. Vom Rummel war der. Und er konnte Laut geben! Dum-di-dum-dum gab er immer dann von sich, presste man seinen dicken Bauch.

So ein schöner Brummbär, dachte Rahel, ihn sich unter den Arm klemmend. Sie ging gerade die Straße lang. War wieder auf dem Weg: In die Wohnung sollte es gehen.

Ob ich morgen nochmal auf die Kirmes, dachte sie und zückte Klimpergeld. Aus einem Automaten ein Kaugummi wollte sie, in Form eines Balles, denn wenn man schon mit einem Kinderspielzeug durch die Straße läuft, so erdachte sie sich, war es hin zum Kaugummiautomaten einfach nicht mehr weit.

Früher ist sie mit ihrer Schwester jeden Abend mit dem Fahrrad zu einem gefahren. Es war ein anderer. Leuchtende Bälle jedoch hatte auch dieser freigegeben. Und es war damals ein Ritual für die Schwestern, die eine 10, die andere 5.

Rahel hatte den Teddybären erlost. Ihn erlöst auch. Gepfropft in ein viel zu kleines Regal hatte er gesessen, um ihn herum nur viele andere Teddys, Tröten und Tischdecken, und aber mit den vielen gelben Papierlosen vor dem Stand … Für Rahel hatten immerhin die ein schönes Bild ergeben.

Sie, noch immer auf dem Weg, dachte an die Geschichte, die ihre Mutter ihr früher immer dann erzählte, wenn sie zutiefst betrübt war. Es war einmal ein kleiner Teddybär, und niemand wollte ihn haben! In einem Kinderzimmer lag er in der Ecke und war da ganz traurig geworden. Doch dann kam immer eine andere kleine Rahel und nahm ihn mit. DA konnte der Bär aber wieder lachen! Und die andere kleine Rahel lachte auch wieder.

Mission accomplished, dachte Rahel in Groß, und schloss die Tür auf. In ihrer Wohnung sah es aus, wie auf dem Schlachtfeld. Dreckig war es nicht! Es nur war, Klamotten lagen allüberall verstreut. Nicht nur über das Bett lagen sie: Auch auf dem Fußboden, dem Couchtisch, ja, wohin man sah, türmten sich Röcke Kleider Hosen.

Rahel kam gerade von einem Städtetrip Prag wieder. War gleich losgelaufen auf den Jahrmarkt, einfach eine Idee … der sie nachgehen wollte (zudem wollte sie Zuckerwatte). Vor dem Trip war es, dass sie nicht wusste, was sie außer ’ner gesetzten Hose mitnehmen hätte können für die drei Tage. In den Kabinentrolley. Waren dann auch nur diese Hose und weiße wie schwarze Tanktops geworden.

Noch vor der Fahrt hatte sie eigens die Jeans bei einem Versandhändler bestellt, es war hier nur so, dass sie tiefer sitzte! Rahel, die spekulierte daraufhin, dass solche Schnitte heute und damit nach dem Trend nur noch gemacht wurden, damit der Kunde nach schnell abgeflauter Freude noch eine zweite Jeans im selben Haus bestellte. Diesmal eine, wo der Hintern nicht herausrutschte, setzte man sich hin. Eine normal hohe. Oder eine höhere! Solche waren zudem auch hipper. Außerdem, sie wusste, dass man auch bei hohen Taillen mit tief sitzenden Gesäßtaschen arbeiten konnte, um ähnliche Modellierungen zu erreichen. In Prag zog Rahel dennoch die Hallo-Po-Hose an. Und immer die über die Hüften gehenden Tanktops darüber. Sie fühlte sich wie nicht gut aufgehoben. Ist ja immer so, wenn ich wegfahre, dachte sie und besah die anderen Gäste in ihrem Hotel. DIE erschienen ihr im Gegensatz wohlbehütet. UND – in Urlaubsstimmung. Rahel zupfte immer nur an ihrer Hose …

Doch wieso fehlte Geborgenheit? Rahel hatte einen sie liebenden Freund, der machte aus ihr eine in der Schale geschützte Muschel, sie hatte auch Geld; das ergab Ähnliches. Doch Rahel ja neigte gern mal zu Übersprungshandlungen – was ihr Leben irgendwie chaotisch machte und wahrscheinlich ein Dinosaurier war. Gekommen aus einer Zeit, in der ihr die Mutter nicht mehr die Geschichte vom Teddy erzählte und in der sie sich voneinander entfernt hatten; jeder einen anderen Weg nahm.

Dum-di-dum-dum, Eduard war noch nicht da. Kam wohl später aus dem stählernen Koloss, den sie Edvard und Cellister nannten, eine Holding. Hey! Hey … Oh, du hast einen Teddybären. Dum-di-dum-dum … Eduard knisterte mit einer Papier-Packung: Schmalzkuchen! Es sah so aus, auch der Freund hatte nach der Arbeit einen Abstecher auf den Rummel gemacht, der jedes Frühjahr in der Stadt Halt machte. Komm, wir gehen noch mal zu zweit. Jaaa … Aber erst ficken wir! Ja.

Als die Kleider wieder hoch, das Küchenpapier verstaut war, wusch Eduard seine Hände: Rahel nicht. Sie mochte es, wenn die Leidenschaft an ihr haftete wie Kuchen an seiner Kuchenform. Aber auf den Jahrmarkt wollte sie nicht so: So wusch kurz vor dem Rausgehen aus der Tür auch Rahel.

Wenn wir Besucher haben, fassen sie auf das, an was ich mit diesen Händen gekommen bin, dachte Rahel. Setzen sich auf die Couch, auf der wir … Und so nahm sie ihren Poncho. Komm! Noch mal …

Die beiden gingen aus der Tür und wieder die Straße runter, es war Abend und die Sonne ging unter, das Riesenrad nutze das aus, es leuchte vorm betörenden Himmel wie ein Riesenrad das vor betörendem Himmel nun mal so macht.

Die beiden schritten auf den Vorplatz des Spektakels, Rahel sah einen Vater mit Hände haltenden afroamerikanischen Kindern, sie trugen Gesundheitsschlappen und waren offenbar Zwillinge! Ein Junge … ein Mädchen. Das Mädchen hatte oben links und rechts mittellange Zöpfe mit herausquellender Wildnis, ihren Locken. Will ich auch, sagte Rahel.

Ja klar, die mache ich dir dann, sagte Eduard und küsste sein Mädchen. Wollen wir schießen, fragte Rahel? Lieber nicht, so Eduard, lass uns noch mal losen. Sie traten ein in das gesteuerte Chaos.

Es waren da Standleute, aus Lautsprechern schreiend und immer nur schreiend: säuselnd – und markant. Dann Düfte nicht nur nach Pilzpfanne: auch nach frischem Zuckerguss von Liebesäpfeln. Das Gekreisch der Menschen, die da waren, immer auf der Suche nach einem Coupon. Komm, Kettenkarussell!

Nein, losen erst. Bitte! Eduard wollte heute scheinbar unbedingt auch einen Teddybären. Bekam auch einen, denselben wie Rahel, nur zeigte sich dessen knappe Weste in einer anderen Farbe.

Auf dem Kettenkarussell dachte Rahel an die Dritte Welt. Eduard hatte seinen Teddy auf dem Schoß, sie wusste nicht, ob es erlaubt war, wahrscheinlich nicht, und es erinnerte sie an Bilder von Mofas, auf denen ein Mann vorn saß, eine Frau hinten, und sie dabei ein Kind auf dem Schoß. Ah, wir machen zwei Afrokinder, dachte Rahel. Schade, dass wir nicht afroamerikanisch sind, fand sie und sah zu Eduard herüber. Der war gerade dabei, ihre Kette zu greifen, oder sie anzuschubsen oder was, und da KRÄCHZTE Rahel durch den Wind. Neeein, das krächzte sie, und Eduard ließ sofort davon ab.

Als die Fahrt vorbei war, merkte seine Freundin, dass sie sich wohl einen Nerv eingeklemmt hatte, denn sie konnte ihren Oberkörper kaum drehen: Ab, nach Hause, dafür eine Zuckerwatte wenden: noch eine … Und aber in der Wohnung brauchte Rahel ihren Oberkörper gar nicht, da Eduard sie noch einmal fickte und dabei so ihr Haar hielt, dass Stabilität im oberen Part einkehrte. Ihr unterer Part fuhr noch mal Karussell. Danach rief Rahel ihre Mutter an. Ma, ich hab‘ ’nen Teddy! Und Eduard hat auch einen! Nur die Westen unterscheiden sich!

Super, so die Mama. Ach ja, und Mutsch, bitte zieh‘ dir immer High-Waist-Jeans an.

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