Brief an Dana Dolata. Brief VON Dana Dolata. Oder: Bitte, ein Corona-Bier! (das hab‘ ich mir verdient)

18. März 2020, Planet Erde

Jeder sagt jetzt was. Doch alle raten. Ich vielmehr rate MIR was. In einem Brief. Diesem! Denn ich möchte mir etwas verdeutlichen …

Wir sind klein, das ist es. Wir KÖNNEN Dinge emporbringen – verstörend schöne gar, und aber sie können zunichte gemacht werden; die Natur. Sie ist es, die stärker ist, als wir, sie ist es, die wir NIE schonten.

Darüber haben Viele bereits geschrieben. Ich würde trotzdem noch einmal wollen, doch ist da Schmerz.

Hemingway meinte, schreib‘ über das, was weh tut. Ich hab‘ das nie getan, ich muss aus einer Position heraus texten, in der ich einer Lösung gewahr bin über eben jenes Leid. Denn das Leid: Das ist dann schon auch drin …

Ich denke, es ist an der Zeit, die Selbstverwirklichung zu stoppen. Wir sollten uns nicht selbst verwirklichen. Wir sind nämlich meistens scheiße.

Lieber mal achten – auf die, die mit uns auf der Erde leben, zudem auf die Erde selbst achten.

Sie wurde wie Dreck behandelt. Jetzt ist sie Dreck, die Wälder, die Meere, die Tintenfische darin: nichts – als Dreck …

Um die Arme eines Kraken im Pazifik: eine Tüte. In seinem Bauch schwirren Sprenkel aus Shampoorest.

Wir essen’s. Lebendig … Da hat der Oktopus NOCH mehr Schmerzen. Es wurde untersucht. Man kann es übrigens auch sehen.

Es sind die Tierrechte wichtig, wie es die Inklusion ist. Kann die sich nicht festlegen, die ist wohl ein Gutmensch, mögen jetzt viele ausrufen, die diesen Brief vielleicht iirgendwie in die Hände bekamen. Und ja, obwohl dieses Wort des Gutmenschen so sehr negativ behaftet ist, und obwohl auch mir eine Seite mit Schatten innewohnt, denke ich, so einer bin ich.

Zurück zur Gerechtigkeit! Ich reiche nicht. Macht alle mit. Merkt ihr es denn jetzt, merkt ihr es, dass beispielsweise Mikrobiologie zutiefst mächtig ist?!

Es gibt diesen Song. „Ramona, zum Abschied sag‘ ich dir goodbye“, er ist mir gerade ein Ohrwurm, es reimt sich so schön das Wort „Corona“ … Ich sage, wenn es ein goodbye gibt, und das weiß ich, die ich keine Virologin bin und die ich die Wahrscheinlichkeitsrechnung immer verachtet habe, wirklich nicht, dann – macht alle mit. Es ist ein guter Anlass. Man kann‘s spüren jetzt.

Dennoch feierten gestern Abend Leute lieber noch Partys im Hühnerstall, und wenn heute die Omas kommen, die gelegten Eier zu holen, die Riegel der Tür berühren, so kippen sie in ungefähr zwei Wochen um, das ist dann für immer.

Für vier, fünf gekippte Corona-Flaschen.

Du musst so nicht sein.

PS, die es nie waren: Vernetzen. Jetzt. Bitte. Dies, solange wir noch Strom haben, ha, und holt auch endlich die Kinder von Lesbos, die haben noch nicht einmal ein Stück Seife.

Dies, jetzt am Ende, ist kein Brief mehr nur an mich; tja, so macht das eben der Gutmensch … Du kannst es jedoch von hinten, wie von vorne lesen. Es steht – DASSELBE bissig-pathetische Zeug drin.

Planet Erde, 18. März 2020

Brief an Alle, ich hoffe, es mögen ihn möglichst Viele in die Hände kriegen, die sie sich dann allerdings waschen sollten: Ich bin – wie man sieht – infiziert.