zwei fragmente


schwarzes weiß

mariem steht im nachtzeug im starren garten. raureif. der geruch nach schnee. sie legt die arme frei. nimmt den ast einer kirsche und rüttet daran, staub. funken in weiß, glitterig und stiebend, auf die arme nackt.

sie geht wieder rein. grog mit kandis, ruckeldizuckel steht esel bart am zaun, er will einen apfel. eine birne. mariem weiß das. es ist ihr esel. einer ihrer. senna, die ist im stall sehr wahrscheinlich und sehr wahrscheinlich frisst sie dort heu – bis es alle ist so viel. 1996 war sie im club pumphaus. reiko zorg spielte. rasselnden techno, zu dem mariem tanzte. stundenlang. immer wieder diese augen, die von dem kleinen dicken mann. die sie anfunkelten. sie bewertete das nicht, tanzte weiter, war ganz tanz. er winkte ihr! sie an die bar, heran. das glas, das er gab, und aus dem sie trank, mit den k.o.-tropfen darin.

im taxi. einem zimmer. porno aus winzig fernseher gleich neben der matratze. ein penis, klein. wasser in einer kiste volvic auf dem flur. das sie nie wieder trinken würde. draußen vor dem block immer noch kein gewahrsein, was überhaupt. sie fuhr mit der s-bahn, setzte sich auf die couch. blieb dasitzen. lang.

nachdem sie das kind wegmachen ließ, weinte sie. mehr gab es daran nicht. placken an erinnerungen, es ist alles so hart geworden wie der zuckerguss auf dem mohnkuchen, den sie macht. der auf den boden gleitet, aus ihren händen heraus; mariem geht weiter.

zinnober

was machst du dir, fragt sie, ihn von hinten sehend. wer bist du, prescht es aus ihm. ich bin felia, und du. ich heiß konrad. ich mache tee aus basilikum. bitte, ich möchte einen. konrad bereitet das zu, sanft, dann legt er felia zwei joghurts und löffel in den schoß. in ihrem rollstuhl fährt sie sie zum tisch. in seinem rollstuhl fährt er sich zum tisch. sie sind sich sich, es ist leis, plötzlich bricht es aus konrad. ich bin aus dem fenster gesprungen. felia sieht ihn an. sammelt sich. versucht fest, an schöne dinge zu denken, sie hofft, er möge sie in ihr erkennen, blickt konrad an. ich liebe die töne und klänge, sagt sie. falls er es doch nicht sehen gekonnt hatte. laufen konnte ich nie. aber das ging. gerad hört felia konrad durch die stille. er, für sie, hört sich traurig an und schön. zärtlich, tief. wie vibrierend eine ruhe beschreibend. in seiner musik. felia findet, es ist ein cello. und wieder gerät eine bitte in ihr empor. die becher der tees und joghurts bleiben stehen, als sie aus der küche der station fahren und sich zum behindertenklo stibitzen. eine der hände felias fasst konrad am ohr. die andere fährt in seinen hosenschlitz. ihre stirn legt sie an seine. zwischen konrads mund und nase lehnen felias lippen. was machst du mir.


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