Stadt Land Floß

Ich mag das Land nicht. Es, für mich, ist ein einziger Acker, nur hie und da durchzogen von einem mal weiß gewesenen Haus, jetzt ganz angeschwärzt – oder einem Baum. Doch Bäume gehören zu anderen Bäumen …

Da sie edel sind. In den Park gehören, einen botanischen Garten vielleicht, in die Stadt gehören oder gern auch in einen Wald. Auf dem Land wirken sie ganz trostlos. Wie Zeugen – aus anderen Welten. Verkümmert. Das Edle, sie können es kaum aufrechterhalten. Sie verschmutzen und verschmutzen, sind am Ende edel nur noch einen Funken.

Und an den Funken … die Blitzer. Sie werden sogar im Radio durchgesagt. Dorfkuhle 17, wieder ein Blitzer – beidseitig. Cool werden auch die Slogans zu den Dreibeinen vorgetragen. Ja, wir helfen heute Mittag gerne wieder an der Gefahr im Verkehr. Der Sender weiß, was eigentlich macht er da. Quote; Geld macht er da.

Tempolimits, sie sind zu was gut. Bis zu ihnen ist sicherer Verkehr wahrscheinlich. Danach regiert Chaos. Und es regiert immer auf unseren Straßen. Im Zug gibt es jetzt Steckdosen und W-LAN.

Es ist auch der Zug, der mich regelmäßig in die Stadt bringt. Der Bus ist es jedenfalls nicht. Nicht außerhalb von Ortschaften fahre ich mit ihm. Da dann nämlich darfst du schneller, als 50 fahren. Es ist so rational nicht. Auch bei einer Geschwindigkeit von 50 kann etwas passieren, zumal ohne Gurt. Außerhalb der Ortschaften sind dann aber alle angeschnallt. Meinen Arsch hieve ich dennoch – in die Züge, statt in solch‘ windschiefe Gefährte mit übermüdeten Fahrern, die ich nicht kenne.

Etwas teuer komme ich in Berlin an, auf der Fahrt noch eine Kurzgeschichte von Dana Dolata gelesen. Es ist die Stadt mir auch teuer. Berlin, du wolkenverhangener Koloss, trist mit deinen Häuserschluchten, aus den Fenstern scheinen mir manchmal ihre Bewohner zu hängen, sie hangeln sich hangelnd von einem Fenster zum nächsten, hinterlassen vielleicht einen Blumenstrauß auf des Nachbars Balkon, dann erklimmen sie wieder ihren eigenen, oder aber sie baumeln in nicht vorhandener Sonne noch ein wenig herum – Berlin, ich mag dich. Du bist eine dicke Frau, du bist meine dicke Frau!

Was du mir immer spielst, ist Debussy. Der Klang der Städte für mich. Es klingt nicht nur nach Buenos Aires. Es klingt auch Kapstadt so – und – New York. Debussy hat unsere Städte vertont. Gespielt vom Klavier oder ganzen Orchester sind sie hörbar gemacht.

Ich hieve meinen Arsch ins nächste Taxi. Da ich die Öffentlichen wie städtische Wildtiere die Sonne meide. Sie ja laugen dich aus. Mit ihrer Überfüllung tun sie das. Mit ihren Schienenersatzverkehren und generellen Fahrtzeiten auch. Mit Umsteigen mit Taschen, mit Warten, ohne Taschen von Wertsachen frei zu haben. Nö; och. Ich ja schnüre ein Bündel mit Geld für Taxis.

Herr Floß, schön, dass Sie da sind. Ich nehme wie immer ein vorzügliches Hotel. Da ich Betten liebe. Und auch Annehmlichkeiten. Ich mag es auch mal roh! Aber so ist auch schön.

Auf meinen Städtereisen gehe ich immer zu einem Konzert. Und ich gehe wahrscheinlich in eine Bar. Sightseeing lasse ich. Es – dann – gibt Interessanteres.

In den Straßen, die Leute, sie sind leer. Auch das – macht Stadt. Sie alle laufen angeknackst im Moloch umher. Sie laufen durch U-Bahn-Schächte, gereizt, sie laufen vorbei an Spätis, gehetzt, und immer: leer. Berlin, ich liebe dich, und selbst das ein bisschen – paradoxongerahmt allerdings.

Eigentlich negativ seiend, passt es zur generellen Abgerocktheit deiner.

Speziell zumeist, was ich in Städten mache. Dieses Mal geht es zu einer Kupferschmiedin. Sie macht eine Brosche für mich, horrend ist es nicht. Dann ein Dach, die diesmalige Bar.

Ich muss weinen, wenn ich zurück in das Universum der Geflügelausstellungen und Verblödungen komme. Mein Geld, es reicht mir zum Umziehen nicht. Ich habe immer zwar ein gutes Hotel. Doch das auch nur, da essentiell für mich, und auch die Kupferschmiedin so horrend ja eben nicht.

Und jetzt weine ich, lese noch ein bisschen Dana Dolata, ein bisschen ja rettet es.

MMF

Es war gar nicht besonders sonnig. Doch an dem Abend, als Wilfred und Freja den Weg über das gemähte Weizenfeld nahmen, klebten die Shirts ihnen auf der puren Haut fest. Die Luft drückend. Ein Gewitter war am Aufziehen. Hurtig, so Freja, ihren filzigen Fedora beinahe auswringen könnend. Wilfred ebenfalls war behütet. Er trug einen kornblumen-kolorierten Panamahut zum weißen T-Shirt, der schwarzen lockeren Hose, in der Hand noch eine türkisfarbene Kühltasche mit nichts als leckenden Akkus drin.

Freja hatte einen vorn mit langer Reihe an kleinen Knöpfen versehenen dünnen Maxi-Rock an. In Orange, ihr Shirt schwarz. Die beiden ähnelten Glühwürmchen an diesem Abend. Nicht nur ihre Körper bebten vor Hitze. Auch nahmen sich ihre Klamotten am wolkigen Tag mehr als knallig aus.

Der Tupfer Farbe auf dem mit großen runden Strohballen bespickten Feld war seit fünf Jahren Paar.

Ein Picknick lag hinter ihnen. Der Nachmittag: ungezwungen, kuchenvoll, überschön in Vielem.

Wilfred, jetzt, stapfte barfuß auf eine Biene, sie stach nicht zu, Freja kam das checken. Sich beugend, fielen ihr die längeren Haare immer wieder über den Fuß des Freundes. Wilfred nahm sich eine Strähne heran. Und noch mehr von Freja. Vor dem Gewitter schliefen sie noch miteinander.

Warum nicht schon eher, es war der Tag wie aus dem Buch. Es war auch der Abend wie aus dem Buch. Weil wir das jetzt machen, hatte Freja gedacht. Sie dachte an Sex mit Wilfred, wie sie an’s Zähneputzen dachte. Weil er mit ihm so natürlich war.

Danach, es war zielstrebig und spröde wie meist gewesen, kam alles noch belebter vor, als ohnehin nach der langen Zeit draußen. Freja wollte dem Bienenstich-Check einen Realitäten-Check anhängen. Was fühlst du, was ich, und wie könnte es noch sein.

Sie liebte Wilfred so sehr, dass sie, als der noch mit Eric lebte, sich sich selbst in diese Beziehung wünschte, dazwischen. Das jedoch – war in der Fantasie, am Tag viel eher war es wie es war völlig in Ordnung für sie; check check check: Realität …

Was schon hätte man erzwingen können?! Vor allem aber war sie so gelassen. Wilfred, immer schon, hatte Freja so gelassen gemacht, auf allen Bahnen, immer.

Zu anderer Zeit war’s anders. Freja gönnte hier Wilfred, den sie damals schon lange kannte – und auch schon lange liebte, die Beziehung zu Eric richtiggehend. Sein Wohl stellte sie über ihres, ein mögliches gemeinsames sogar auch. Check check – Realität.

Und das Gewitter kam nicht an sie ran. Regen setzte ein. Des buchgleichen Tages‘ Krone, die unsichtbar machte, dass die Zwei auf dem letzten Stück weinten.

Piekerchen

Und am Abend des siebenten Chanukkas stellte Gide ihre Liebe ab. Sie lief ein bisschen im Zimmer umher. Ließ in Ruhe, was eine ganze Weile ging. Parallel zu Scott.

Es ging nicht. War einfach nicht gegangen. Nur eine Zeit hatte sie das Gefühl gehabt, dass es gut wäre, sich in Zweierlei fallen lassen zu können. Sie – so – musste sich nicht beschneiden. Das Gefühl hatte sie auch gehabt. Sie konnte sie bleiben. Nicht ein Abklatsch ihrer, immer wieder etwas hinterfragend. Einfach sie. Nicht wegschiebend, hinterfragend, wieder reinfallend, aber nur ein bisschen, zu weit, das erlaubte sie selbst sich nie, auch nicht – in Gedanken. Sie ersetzte es sich selbst auf. Merkte aber bald, dass sie ihre Ideen nur zu Ende denken konnte, wenn sie sie auch zuließ. Prompt hatte sie die Entscheidung. Sie, auch vorher schon, war dagewesen. Sie war immer da. Lag klar vor ihr, wie es das ein pudergezuckertes Blumenbeet im Winter manchmal tut, nur ließ sie sich auf die „Spiele“ in ihren Gedanken ein, war es untersetzt eben.

Komm ins Bett. Nein. Komm schon … Ich gehe noch einmal raus. Bett war noch nicht möglich, da noch etwas nachhallte. Sie brauchte eine regelrechte Sex-Pause! Sie wollte sich, wenn schon, ganz auf die Bettangelegenheiten mit Scott einstellen, denn schon auch nur einen Gedanken zurück wollte sie dort nicht. Dort drin. Ich gehe noch einmal raus in die Frittenbude, Bahnsteig 6.

Scott und Gide, sie lebten in der Berliner Invalidenstraße, ganz nahe des HBFs. Und DIESE Frittenbude, die mochten sie beide. Sie machte einfach eklige Pommes, ganz so, wie es eine Frittenbude sollte. Gide brauchte ein bisschen. Wollte nochmal raus, ein wenig frische Luft, ein wenig Fettdunst.
Und sie bekam’s! So dann wollte sie auch ins Bett mit Scott. Mit Fettdunst an T-Shirt und Schlüpper! Dies nahm sie sich ganz fest vor …

Gides Sinn für Humor war speziell. Komm schon rein. Nein … Gide wollte schon wieder nicht. Nicht wegen Fett nicht. Fett stand auf der Pro-Seite, das war sehr eindeutig gewesen damals für Gide – aber sie brauchte noch mehr. Noch mehr an Zeit.

Mit Scott war es toll für sie. Wenn sie Zuhause Film schauten, legten sie sich gegenseitig die Hände auf die Geschlechtsteile. Weil’s schön war. Hose auf, dann die Hand, die Hände. Mit Sex hatte das nichts mehr zu tun. Es passierte meist nichts weiter, die beiden schauten Film. Fast nicht mehr? Naja doch, eine ganze Menge mehr, so Liebe sich auch in Mengenangaben breit machen kann. Aber Liebe kann sich ja überall breitmachen. Genau das erlebten die beiden auch dieser Tage mit Eddie.

Und es war vorbei, Gide … hüpfte ins Bett, beteeshirtet und beschlüppert. Zu Scott!

Und Scott sagte, lass uns ficken. Gide wollte gar nicht. Nicht wegen Eddie nicht, „nur“, weil sie es manchmal einfach schöner fand so.

Weil es sich genug war.

Scott schlief ein, rieb sich rhythmisch an Gide, Löffelchenstellung! Im Halbschlaf tat er es so und Gide … ebenfalls im Halbschlaf seiend, tat es ihm gleich.

Löffelchen, auf dem Nachttisch noch die Pieker von den Pommes.

 

Der Weg der Jade

Jade, an der Bushaltestelle, wartete nicht. Nicht auf den Bus, nicht darauf, in ihrem Ohrensessel im großen weißen Haus anzukommen, bei heißem O-Saft mit Schlagsahne rumzuphilosophieren. Lieber tat sie es jetzt. Jetzt, in Berlins Rushhour, dachte sie ans Universum. Besser bin ich hier auf der Straße, als irgendwo da draußen – meinte sie.

Sie wusste noch nicht, was dieser Abend, nun ab 1830, noch bereithalten würde.

Dunkel wars bereits: Winter! Eingemurmelt in Flausch in Form eines Mantels – Farbklötze, Rot und Pink und Camel, das in ganz Teddybär – lief Jade weiter, nur kurz aufgeschreckt durch: Haare. Sie waren auf einmal da – auftoupiert, blond. Riesig rahmten sie den Kopf einer großen schlanken Frau im 80ies-Look ein. Sie stand nur da, Jade nahm zuerst einen Schatten wahr, eher unheimlich – wie auch das gesamte Bild, danach gekommen. Diese Frau glich einer Löwin! Das hätte schön sein können … Hier, an der Haltestelle um halb Sieben, im Stockdüsteren, heimelte es nicht gerade an. Trotz der vielen Leute noch drumherum.

Jade wollte Tee. Sie bekam einen in einem wahren Tee-Tempel, auch so heißend, dazu vietnamesisch und dazu eine Suppe. Oft auch musste sie an diesem Abend aufs 00 … Stehend hielt sie sich immer darüber. Keine bakterielle Vaginose heute, bitte. Und wo waren die Hauben aus Papier fürs Klo-Origami?! Die sie stets dabei hatte. Hier jedenfalls waren sie nicht. Und auch keine Desinfektionstücher.

Ja, wir hämmern jetzt in deinem Fuß“, tönte es sodann aus ihrem rechten Fuß. In dem es auch hämmerte, soweit machte das Sinn. Sonst nur machte es keinen für Jade. Aber selbst das wurde ihr: nicht … bewusst! Sie nahm das Hämmern, wie auch dabei stehende Stimmchen, kommend aus dem Fuße, hin, als wäre es von der Natur gegeben. Das war eine Psychose. Jade hatte ein, sie war neu, Jade dachte, hallo, schöne neue Welt. Leider nur nahm sie sich gar nicht so schön aus, schrecklich viel eher. Alles was folgte, war mindestens unangenehm gefärbt, wenn nicht angstgetränkt. Schlecht für Jade!

Ja! Wir hämmern jetzt fulminant in deinem Fuß“, tönte es weiter. Hämmernd, tönend, nahm Jade ihren klumpig anmutenden Fuß aus der WC-Tür und wieder hinein in den Tee-Tempel, in welchem es nun surrte. Eine Art Hintergrundrauschen, es klang wie gequirlt, schaumig, kreierte eine sagenhafte Apokalypse, sehr sagenhaft, sehr unheilkündend. Wie ein Meer; ein schaumig geschlagener Ozean.

Kaugummi jetzt, dachte Jade. Sie wollte erfrischt werden. Im nächsten Kiosk bekam sie eines, darauf zwei Köpfe, die lange Zungen hatten, wie im Kusse verbunden. Laugen sich aus, kam es der 31-Jährigen in den Sinn. Lutschten sich aus, zehrten an den gegenseitigen Hirnen. Und wieder: Endzeitstimmung. Jade wusste mit einem Mal, das ist ein Stück Geschichte, das sie miterleben sollte. Die Welt war aufgeklappt. Sie offenbarte ihr wahreres Sein. Vorher hatte sie ihr Leben, darauf folgte ein Tod, dann – jetzt – das wahrere Leben. Im Kompletten offenbarte die Welt sich ihr aber nicht. Es wurde ein nicht unerheblicher Teil freigegeben. Über ihr wohl ein kleines Team aus Insekten, die völlig freigeschaltet waren und die – alles überwachten. Sie führten Jade jetzt durch die Weltgeschichte, so kam es ihr vor. Was sonst hätten die neuesten Vorkommnisse für einen Sinn?! Es musste gar demnach sein.

Und es musste also, wahrscheinlich war das gegen Ende der Zeit, Kreaturen gegeben haben, die sich gegenseitig aufzehrten. Mit Zungen. Dass diese auf der Packung viel eher auf das Gummi im Kau aufmerksam machen wollten, daaas kam Jade nicht in den Sinn. Kam ihr ja auch genug Anderes in den Sinn.

Jade ging in einen Laden. Darin: Skurriles in einer Fülle. Sie nur wollte das Daumenkino, das sie auch hatten, und kaufte es sich. Es war cool. Damit erfüllte es ganz seinen Zweck. Ein Stück Welt, noch in Ordnung.

Als Jade vor die Tür das Ladens trat, wurde sie auf eine überbordende Baumwurzel aufmerksam. Es, ja, erinnerte an den Holocaust. Verschlungene Menschen. Möglicherweise tot. Das ist ja wieder ein Stück Menschheitsgeschichte, ersann Jade und ihr fiel auf: Diese große Wurzel schien zu schreien.

Schreie, Schreie, Jade schritt einen großen Schritt weiter, sie wollte weg. Sie wollte, wo sie nun war, eigentlich auch nirgendwo hin. Doch das Wollen; das Wollen war heute ganz unwichtig.

Eine Bar hatte als Eingang, Jade kam vorbei, den Kopf eines mitleiderweckenden Bären mit leckendem Maul. Und obwohl Jade Tiere eher leidtaten, als Menschen, wurde ein ähnliches Bild kreiert, wie an der Wurzel gerade just. Beides hatte eine Kraft. Und doch, Tiere wissen nicht, wie die Menschen sind, dachte Jade. Die Menschen, die ja auch noch welche sind, Menschen also, wissen, wie sie sein können; wie sie sind. Im Grunde hässliche Kreaturen. Sie vermurksen die Umwelt, sie quälen die Tiere, und wenn sie sich selbst quälen, wissen sie wenigstens, wo es herkommt – ein Tier vermag das nicht zu erkennen, müsste regelmäßig vom Glauben abfallen und mehr enttäuscht werden eben. Und deshalb stellte sie das Tier über den Menschen. Sie konnte nicht sehen, litt eines.

Jetzt sah der Himmel auch unheilsschwanger aus. Sich auftürmende Wolken im Mondlicht. Hätten wir gestern schon gewusst, wie es jetzt gerade wurde, hätten wir’s unter Umständen steuern können, dachte die an die Weltformel glaubende Jade. Ihre Religion war die Mathematik, sie nahm an, dass sich alles, jeder Fitzel unseres Seins, in Mathe ausdrücken und, wusste man die Weltformel, auch vorhersagen, gar lenken ließ. Soweit siiind wir schon, drang eine Stimme in ihr Ohr. Das können wir. Die Insekten?!

Aber natürlich müsste es so sein, sie haben die Welt verschoben, sie … aufklappen lassen, sie können den Himmel koralle färben und ihr das Hintergrundrauschen vorspielen: Alles vollbracht!

Zudem, eine Weltformel bedeutete, dass es das Schicksal gab. Wenn alles Regeln folgte, war alles vorhersagbar, wusste man um eben diese Regeln auch. Selbst unser Willen war vorhersagbar und … gar nicht frei.

Was war noch mit dem Menschen, von mehr Wichtigkeit doch, als das ganze große Universum.

Jade musste in die Klinik. Sie merkte es, fuhr schnurstracks hin. Diagnose Psychose, und die Tabletten griffen erst nach Wochen.

Immerhin hatte sie ihr Daumenkino. Und die Gewissheit: Es muss schwer gewesen sein für die Löwen-Frau, im Winter einen 80ies-Look aufzutun.

 

 

 

 

Wie die Glocke ertönt, ist der Herbst zurück

Klack – Avas Eis lag auf dem Boden. Hätte sie nur oder könnte sie noch; wohl kaum, Marshmallow war aufs Parkett des Eis-am-Stiel-Ladens geklatscht, da kam ein mittelgroßer Tourist herein in der Stadt Prag, du konntest auf den ersten Blick sehen, dass er ein Tourist war, woran, das war nicht zu ermessen, dass er es jedoch war, das war ganz klar – haben Sie Spaghetti-Eis?

Im Moment nicht, entgegnete die Verkäuferin. Haben Sie keine Quetsche – der Tourist. Hm, ich will hier eigentlich keinen Comedy machen, schien die Eisfrau unerpicht zu denken, Eis verkaufen will ich, ok, dann Vanille, so der Tourist. Klein, mittel oder groß? Na, mittel?! erwiderte der Tourist – mehrere Fehler. Sein Na, es suggerierte, ist doch klar, doch der Tourist – schob eine Frage hinterher. Das Ganze – auch Reaktion auf eine Frage, da nimmst eigentlich auch eine Antwort, dachte Ava, wenn eine Frage kommt, kannst du deine Stimme sogleich so anlegen, dass du mit Nachdruck etwas hervorbringen kannst. Selbst ich weiß nicht könntest du mit einer Bestimmtheit sagen.

Eine Frage auf eine Frage, Ava fands doof und ging; war sogleich verloren, als sie auf die Gasse vor dem Laden trat. Die Luft – roch blumig – und das in der Stadt, die Felder müssten doch weit weg sein, dachte Ava und roch und roch dies Blumige. In lauer Luft blumte es herum und Ava konnte nicht umhin, tief einzuziehen.

Sie trug schon eine Wollhose. Es war Spätsommer. Da sah sie sie: sah die Rosen, die rankten an einem Haus entlang, an dem sie gerade vorbeiging, der Wind stand so, dass er deren Duft verströmte, die Sorte war eine späte; duftige. An dem Haus auch ein Zaun. Und in der Mitte des Bauzauns das Schild: Achten Sie auf die Rosen.

Es war so unwirklich, eine so große Stadt, und mitten darin dies Schild. Achten Sie auf die Rosen. Ava las das noch einmal, senkte den Kopf und ging dann hindurch. Über ihr ein Dach aus Blumen. Neben ihr der Bauzaun. Und noch mehr Blumen.

Dann zum Auto. Auch Ava war im Urlaub. Mit dem Auto wollte sie heute ins Umland, einfach nur fahren, Ava fuhr nun mal gern, noch dazu bei dieser Witterung, Scheibe ganz runter, Spätsommer rein. Aus dem CD-Player erklang Adele.

An einem Kirchturm kam Ava vorbei, da war es schon Abend. Sie ließ das Auto aus, ging raus – besah den Turm. Herzstück eine Glocke. Sehr XXL … Sie wollte hoch, stieg dann auch hinan und auf den Turm herauf, der zu dieser Glocke führte, auf einmal stand sie inmitten des Gebälks – und sein Monster ertönte. Ava erspürte sofort den Hauch Herbst, guckte sich um. Herbst, das ist ja etwas vollkommen anderes. Wie eine andere Art, zu schmecken, zu fühlen, ja, nur zu gehen. Er war lange nicht da gewesen. Nun aber doch schon, schon während die Glocke noch tönte, erreichte sie der Wind. Da dort alles offen war. Wo sie stand. Der Wind erreichte sie, war von überwältigender Klarheit. Ganz anders, als der Sommer, gerade auch ganz anders – als der Spätsommer. Der hatte eine Dichte, die nun wie weg erschien, so klar, wie die Luft es war, war es nun Herbst.

 

31 Grad

Anouk stieg ab. Ihr E-Roller schmutzig. Und leer. Morgen brauchte sie ihn wieder. Aber heute lud sie nicht mehr auf. Da stellte sie den Wecker auf ihrer Smart-Uhr einfach etwas früher – für morgen. Das Stück konnte laden, während sie sich fertigmachte und frühstückte. Etwas früher schon. Daher das frühere Weckerklingeln. Anouk, auf Reisen, besuchte am nächsten Tag einen Roboter. Dessen Vater hatte das erlaubt. Bär, eigentlich, wurde nur zweimal im Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt, immer mit weiteren Neuerungen. Doch Anouk hatte einfach angerufen. Der Roboter-Vater sagte, sein Team und er seien diesen ganzen Tag da, man freue sich, Anouk die Besichtigung der künstlichen Intelligenz ermöglichen zu können. In Kopenhagen leihte man gerade E-Roller. Nach den Fahrrädern vor weiterer künstlicher Intelligenz vermutlich. So dachte es jedenfalls Anouk. Sie war auch leer. Geistig nicht; körperlich! Im Hotel ging es für sie dreckig ins Bett. Keine Dusche mehr machbar. Nur noch Bett machbar. Es war weiß bezogen …

Anouk hatte Bier da. Es kam in Dosen. Sie hatte eine Pyramide mit ebendiesen auf dem Fensterbrett aufgestellt. Draußen ging die Sonne unter. Der Blick weit. Das hoch gelegene Zimmer im Hotel im Gewerbegebiet ermöglichte eine ferne Sicht. Über Bahnschienen, über Lagerhallen ging die Sicht, Mehrzweckgebäude waren ebenfalls inbegriffen. Mit dem E-Roller kamst gut zum Designhotel und wieder zurück. Das Ganze sehr citynah. Wärest du zu Fuß unterwegs gewesen, hättest du auch in zehn Minuten dort sein können.

Anouk trank das Bier. Sie trank hart. Ein Liter rann in circa 20 Minuten den Rachen runter. Dann wurde ihr Trinkverhalten langsamer. Und entspannter.

Anouk, im Bett, lehnte sich an die Wand. Schaute aus dem angrenzenden Fenster, hatte eine Dose in der Hand. Morgen zum Frühstück ist Jazzmusik in ganz Live angesagt. Sie las das aus einem Flyer. Es lag so viel Lesestoff rum. Kunstmagazine und Hotelkommunikation überwogen. Anouk schlief fest in dieser Nacht.

Sie stand zum Frühstück mit einem live performenden Saxophonisten auf, noch ganz gerädert, ihr Roller derweil schon in der Steckdose auf dem Hinterhof. Sie streckte sich. Das tat immer noch gut. Trotz oder gerade wegen dieses Durchseins. Sie merkte jede Sehne ihres Körpers. Das mochte sie auch.

Bär, dachte sie, das ist wirklich super. Mehr dachte sie dazu nicht. Mehr war es auch nicht. Anouk war auf Reisen, sie hatte vom Roboter gehört, sie hatte den Telefonhörer in die Hand genommen und würde jetzt hinfahren.

Viele Leute denken, nichts ist möglich in der Welt, „einfach nichts klappt“. Doch du musst kaum etwas, als einmal telefonieren oder Ähnliches, kurz – aktiv werden. Anouk hatte das auch erst lernen müssen. Nun wandte sie an und an … Jedem, der nichts davon wusste, dass vermeintlich Unerreichbares ebenfalls nur mit Wasser gekocht war, sagte sie, ruf – einfach durch. Tat nur niemand. Keiner konnte damit etwas anfangen. Aber Anouk sagte es so, weil es mehr nun einmal nicht war. Sie wiederholte es aber. Wieder und wieder, doch nicht mit dem kleinsten Erfolg. Die Leute sehr festgefahren in ihrem Trott. Etwas neu denken, wer machte das schon.

Bär, alles an ihm war stämmig, stand inmitten einer kreisförmigen Bahn. Wie ein Schlittschuhfeld, aber es war eine Art Spielplatz für den Roboter-Kollegen. An ihm wurden einige Exempel statuiert. Bär konnte nicht viel in der Masse und aus dem ersten Augenschein heraus. Aber was er konnte, hatte immense Tragkraft im Ende. Der Besuch dann aber nur kurz. Man hätte sich intensiver auseinandersetzen müssen, am Besten auch im Voraus und vielleicht als richtiger echter Philosoph, überlegte Anouk. Denn diese Personen ja denken anders. Auch können sie auf einen anderen Pool an bereits Gedachtem zurückgreifen, den sie bei jedem neuen Thema mit einfließen lassen können. Anouk fand immer, Philosophen sind das Eine. Denken aber muss jeder. Du bist Mensch, du bist da, also denkst du bitte auch. Fand – Anouk …

Sie aß Falafeln im Brot, als eine Pferdekutsche an ihr vorüberfuhr. Touristen, dachte Anouk; nicht zuhause. Sie hingegen lebte die Stadt. Im Augenblick jedoch steckten die Falafeln im Hals. Anouk wusste, die Tiere leiden; zog ab: am Abend ein Konzert. Wegen dem war sie nach Kopenhagen überhaupt erst angereist. Oder auch wegen dieses Abends im Club „Splash“, denn sie stand ziemlich darauf, kurze Städtereisen mit Kultur zu mixen. Eine Metalband spielte. Die männlichen Besucher hatten in hoher Zahl freie Oberkörper. Anouk fand’s gut. Nicht der Körper wegen, die allermeisten der Jungs waren auch ausgesprochene Heringe, mehr aufgrund der Unbekümmertheit, die dies ausstrahlte. Und der Abend ging vorüber, Anouk, wieder im Hotel, trank ihr Bier. Metal war wieder an: leise nun. Das brachte für sie etwas Besonderes an ihm hervor, das Anouk mit „Weißbereichen“ beschrieb. Wie die Risse einer Zeitung. Zerfetzt – und weiß. Wenn Anouk einmal zum Heulen zumute war im Leben, oder wenn sie ganz heulte, dann hörte sie Metal in Leise.

Ging der Wecker am nächsten Morgen an, hatte sie fast schon ihren Latte Macchiato vor der Tür, das war recht genau getimt, denn Anouk benötigte VOR dem Zurechtmachen, vor jedem Tun eigentlich, immer schon Kaffee mit Milch in möglichst geschäumter Weise. Zwei Latte Macchiatos hatte sie sich für diesen Morgen an die Tür bestellt. Wie meist. Dann erst ging es zum Frühstück. Livemusiklos diesmal aß Anouk ihre Früchte und die Küchlein, dazu – mehr Kaffee.

Museen, essen draußen, Museen wieder, im jüdischen Haus weinen, danach am Eingang auf den Treppenstufen sitzend der Gedanke: Ist Reisen Luxus? Sie – dann – hätte es verabscheut, da sie fand, dass nur Nötiges gemacht und getan gehörte, Luxus erschien ihr überflüssig, schädlich gar. Reisen aber sind für die Entwicklung, so sie, fügte in Gedanken noch umgehend hinzu, wie eigentlich sieht es mit Feierei aus. Da sie im Gefühl war, die Welt liegt im Argen einfach und wir – sind lustig. Warum nicht erst machen, was nottut?! Ein gewagter Gedanke, vielleicht – noch nie gedacht, da zu einfach einfach. Doch nein, auch das Glücklichsein ist wichtig – für die Entwicklung deiner selbst, schoss es Anouk in den Kopf. Es geht nicht ohne die schönen Dinge. Das Leben hat sie noch.

Reisen kein Luxus also, es würde ein nächstes Mal geben, doch das wohl per Rad. Da es ein Fallenlassen in den Tagen des Reisens ermöglicht – nicht bloß ins Hotelbett. Das übrigens von viel Wichtigkeit für Anouk. Da sie mit ihm begann: ihre unendliche Geschichte „Bett“. Wo sie früher vor allem von Hotelbetten angezogen wurde, da liegt sie heute in eigener Boxspring-Version und liegt da viel und liegt bequem. Zeit ihres Lebens hatte sie dies Bild vor Augen. Ein Mann und sie – auf einem Bett. Liegend oder sitzend, das war egal, dazu vielleicht ein Buch. Der Mann las. Sie hörte. Das ging auch ohne Buch. Aber sie, sie musste immer hören, Anouk liebte diese Vorstellung so.

Aktuell reiste sie allein. Sie tat das auch gerne. Mach was du willst, dachte Anouk – das ist ein gutes Credo – und machte es zum Programm. Ins Gespräch kam sie dennoch jedes Mal.

Oben nur im Sport-BH, sich im „Splash“ spontan den Jungs gegenüber solidarisch zeigend, wurde sie beispielsweise von einem von ihnen angegrinst in einem Moment. Heiß hier, sagte er spitzfindig, der Unverwandtheit wegen war es trotzdem gefallend. Anouk stierte auf ihre smarte Uhr. 31 Grad …

Zu gut (Klaus singt)

Skeila‘s Kaffee war nicht okay: Er war erstklassig. Sie hätte auch einen schlechten genommen an dem Morgen, an dem sie bei Kaskadilly Films im Regen ankam. Besser, als keiner.

Sie hatte ihren kleinformatigen schwarzen Geländewagen auf dem Parkplatz einer Videothek daneben geparkt. Kaskadilly machte Kinofilme.

Georg Shyre empfing sie mit einem Kaffee in der Hand. Er grinste gellend. Skeila war auf die Minute. Hatte noch ihren Cold Brew getrunken im Auto auf dem mittelgroßen Parkplatz. Sie hatte auch eine DVD leihen wollen der Nutzung dessen wegens. Die Videothek war jedoch geschlossen. Es war 10 Uhr. Die Menschen streamten jetzt.

Der Termin war ein guter. Georg kaufte Skeila‘s Drehbuch. Geld würde fließen. Gut für Skeila, gut für Georg – für alle eigentlich, die „Klaus singt“ einst sehen würden.

Für mich, für dich, für alle“, summte Skeila, als sie wieder in den Regen trat. Diesmal brauchte sie keinen Kaffee. Oder doch, lieber alles machen, alles nehmen?!

Sie flüchtete in ihr Auto. Der Termin war blendend gelaufen und sie wollte nicht noch einmal zurückgerufen werden mit dem Risiko, es noch irgendwie vermurksen zu können; wie auch immer, denn es war ein guter Text und er war bereits verkauft.

Es stand drin, dass Chorsingen sich positiv auf die Psyche auswirken kann – wie zum Beispiel auch das Laufen. Skeila mochte das. Sie gab etwas mit. Glänzende, über sich hereinstürzende Dialoge hatte das Drehbuch ebenfalls. Der Plot mitreißend. Und die Leute wissen nun, singt, ja singt. Skeila fand sich erneut – summend.

Sie wollte ein Brötchen. Eklige Eier, Salat und Remoulade setzte sie als Muss. Eier, sonst, aß sie eigentlich nur nach zehrenden Erkältungen oder OP‘s. Sie fand sie hinreichend eklig, so aus dem Hintern eines Huhns kommend. Ein vollständiger Vogel, den das Huhn ebenso ausbrüten konnte! Skeila wollte ihn ausnahmsweise auf ihrem Brötchen. Mit Remoulade. Wenn sie hier ausblenden konnte, was sie aß, aß sie es. Im Fall von Kuchen sogar gerne. Und oh ja, sie wollte jetzt auch noch einen Kuchen; gleich … hinterdrein.

Oder nur den Kuchen?! Jetzt war alles egal, sie hatte es geschafft und benötigte eine Stärkung eigentlich nicht mehr. Ihr lag auf der Zunge, what a diff‘rence a day makes … von Dinah Washington. Sie sang es selbst. Doch auch das war eigentlich nicht mehr nötig. Gute Laune hatte sie schon; MEHR als genug von der.

Rausfahren nun erschwert … Ein Auto war schräg und auch noch dicht … neben ihrem hingestellt worden. Ich park‘ jetzt noch nicht aus, dachte sie hastig: fast quengelig. Warten nun. Wenn ihr noch jemand nachsah, wollte sie nicht, dass sie rammte. DAS war ihr am Wichtigsten. Die Karosserien fast schon Nebensache …

Nach kurzem Warten bugsierte sie sich da raus; Skeila fuhr ENDLICH weg! War nur noch auf und davon. Alles ziemlich Hals über Kopf.

Jetzt. Denn bei Georg war sie konzentriert gewesen, in Gänze auch.

Skeila fuhr nach Hause. Ohne Ei-Brötchen. Auch ohne Kuchen. Aber nicht ohne die letzten Schlucke Cold Brew, die noch übrig waren. Sie wollte nun doch nirgendwo mehr ran. Stattdessen LECHZTE sie nach Schlaf – um den Wirbel zu überbrücken. Einfach eine Stunde schlafen, danach würde sie nicht mehr dreimal ums Haus laufen wollen, um gleich darauf wieder von vorn zu beginnen.

Skeila stand auf. Sie … hatte geschlafen. Das gefiel jetzt, dass sie ihren Text an die Filmer bringen konnte, wenn auch nur sehr inselig; sonst wuschig! Es war gar nicht so sehr das Film-Volk, das sie, da jung und cool, erregte; es war es auch: Vor allem aber benötigte sie das Geld.

Und jetzt schmeckte ihr ihr Kuchen. Hätte sie ihn noch im Auto gegessen, hätte sie nur runtergeschlungen und es wäre hinterher nicht anders, als vorher gewesen. Jetzt zurück auf Normal. Besser. Aber nicht ZU gut … Nicht mehr überschwänglich – und aber es könnte auch sein, dass sie sich die Sorgen eben macht, weil sie so sehr dabei ist einfach. Bei den anderen Menschen … und wie sie auf sie wirken könnte. Zu GUT … Aber nun ZU mit der Büchse der Pandora! Und GUT.

Steffen und Roosevelt. Ein Bernhardiner und sein Mensch – eine Aussuchgeschichte.

Der Hund träumt.

Denkst du, er träumt von Aborigines, dann lies unter 1.1. weiter. Denkst du, er träumt von Fressen, dann lies weiter unter 1.2.. Wähl aus, wähle aus!

1.1.

Er träumt von einer Gruppe Aborigines, die er einmal kennenlernen konnte, es war im Sommer ’12: Da war der Hund 2 Jahr‘. Sein Mensch, er lebte damals in Australien. Er spielte auch das Didgeridoo. Das liebte der Wau-Wau, sein Name ist Roosevelt. Und in den Outbacks tollte er damals herum, sehr quirlig, immer mit einem Blick bei Steffen, seinem Menschen. Vom Herumtollen kann man natürlich gut träumen!

Denkst du, er wacht über einen Sprung über einen Busch auf, dann lies weiter unter 2.1. – findest du jedoch, Roosevelt könnte ruhig noch ein wenig weiterpennen, so sieh unter 2.2. nach.

1.2.

Natürlich ist ein Traum über Futter nicht so ergiebig wie einer über die Aborigines. Du Narr! Deine Geschichte, sie ist vorbei, bevor sie überhaupt erst angefangen hat. Mach’s gut …

2.1.

Aber ach, als Roosevelt gerade über einen Busch springt, wacht er auf. Jetzt hat er Hunger. Siehst du, vielleicht, du hättest gleich beim ersten Abzweig zum Fressen springen können … Aber dann hättest du nicht die spannende Australien-Geschichte erfahren … Steffen macht Roosevelt nun einen Napf voll von leckerem grünen Pansen. Er rümpft die Nase, hat es ja nun aber selbst in den Napf für Roosevelt getan. Roosevelt bekommt für Pansen eigens einen Napf mit einem 3D-Objekt im Innern hingestellt. Hier heraus klaubt er sein Futter. Den Anti-Schling-Napf hat Steffen extra für für Roosevelts viel zu leckeres Pansen angeschafft. Tut seine Dienste gut. Roosevelt bekommt kein Bauchweh und lebt mit seinem, regelmäßig gegebenen, Pansen, doppelt gesund.

Denkst du, dass Roosevelt sich dennoch verschluckt?! Lies weiter unter 3.1. Wenn er jedoch nach seiner Mahlzeit ein wenig in Cornwall tollen soll, wo er nun lebt, so begebe dich zu 3.2..

2.2.

Und Roosevelt schläft, schläft – und schläft. Träumt auch – von Katzen! Die will er immer fressen. Ein Alf! Auf einmal knufft es ihn in seine Schulter. Es ist Steffen, er hat Lachs dabei und muss gleich los, in die Stadt, den Lachs gibt es aber noch. Roosevelt liiiebt Lachs. Ist ein Hund, der auch welchen bekommt, so alle zwei Wochen ist es soweit und das ist aber ungewöhnlich für ein Hundeleben. Da Lachs viel Geld kostet. Roosevelt bekommt ihn jedoch, es gibt ihn roh, zwei große Stücken verleibt er sich je ein. Dann geht es in den Land Rover. Die Beiden fahren los, die Stadt aufzusuchen.

Was denkst du, kaufen sie Stoff, kaufen sie Werkzeug. Lies für Stoff weiter unter 4.1.. Die Werkzeug-Nummer befindet sich in 4.2..

3.1.

Du bist ein Griesgram! Warum nur soll Roosevelt sich denn verschlucken?! Hier nun wird dir aber dein Weg versperrt, du solltest besser Geschichten über Kuscheltiere lesen denn echte Hunde. Roosevelt jedenfalls verbringt einen tollen Tag und träumt in der Nacht erneut. Fang an dieser Stelle doch noch einmal an zu lesen und triff bessere Entscheidungen!

3.2.

Ein gesunder Hund, der ist ein Hund, der gerne springt, läuft, nicht gerade Pirouetten schlägt; aber fast. Die Zwei, sie leben nun in Cornwall. Sie haben ein Haus. Und dieses Haus, das steht auf einem Hügel. Riiiiesengroß ist das Haus. Der Hügel: nicht weniger klein. Eine Klippe gibt es natürlich auch! Es ist Cornwall! Und da Cornwall eher etwas für einen Rosamunde-Pilcher-Roman ist, nicht so sehr Kurzgeschichte ist, soll diese Geschichte hier enden; Roosevelt tollt und tollt weiter und Steffen? Der findet’s toll.

4.1.

Steffen braucht Stoff, er näht. Diesmal soll es ein Bademantel für Roosevelt werden. Die beiden lieben das Meer. Doch an der Luft dann, nach dem Nass, da zieht es auch mal gern, und so soll Roosevelt einen Bademantel bekommen. Aus Frottee! Roosevelt dämmert schon, hier liegt etwas Tolles in der Luft. Und hier endet auch diese Geschichte. Mit Ausblick auf viele geniale Bade-Abenteuer. Aber das liest du vielleicht in einer anderen Geschichte; einer, die nicht Teil dieser Wahl-Erzählung ist.

4.2.

Steffen braucht ein Bündel an Werkzeug. Sein Haus! Er will ein bisschen was dran machen. Roosevelt ist meist Anhängsel, wenn Steffen außer Haus ist, er sitzt im Land Rover angeschnallt auf einer Plane, die zum über-den-Sitz-schnallen erhältlich ist. Roosevelts Haus, Steffens Haus, es ist alt. Seit einigen Jahren schon besitzt es Steffen, die beiden waren aus Australien gekommen, wo Steffen eine Stelle an der Universität von Perth besetze. Als Botaniker. Und so – natürlich! – gibt es an dem großen gelben Haus auch einen Garten, angelegt von Steffen.

Was denkst du? Hat Steffen einen Zen-Garten in Cornwall, so lies weiter unter 5.1.. Bist du aber der Ansicht, dass Steffen einen wilden englischen Garten pflegt, in dem Roosevelt immer tollt, so schaue unter 5.2. nach.

5.1.

Sein Zen-Garten ist in Cornwall natürlich Exot. Doch Steffen liebt nicht nur schroffe Küsten, Grund für sein Gehen nach Cornwall, er ist auch Asket. In seinem Garten hat er mit Steinen gearbeitet. Mit Bonsai auch! Viel Wasser ist ebenfalls verarbeitet. Bernhardiner Roosevelt hat diesen Garten gefressen! Sein ein und alles ist am Morgen sein „ein“, am Abend sein „alles“.

Feiert Steffen in dem Garten auch Parties? Wenn du das denkst, solltest du unter 6.1. weiterlesen. Wenn du meinst, Steffen meditiert hier viel eher – so finde dich unter 6.2. ein.

5.2.

Der Garten, in dem Steffen rauschende Sommer-Feste feiert und in dem Roosevelt tollt, es ist ein englischer. Wild und unbändig schlängelt er sich seinen Weg um das Haus, gespickt mit mit Ranken umwachsenen Bögen. Zwischen den Bögen zwei Meter hohe Fackeln. IM Garten ein langer Tisch, darüber pure Glühlampen. Und überall die Rosen! Heute feiert Steffen wieder. Geladen sind die Ginsters, die Mc Fellows – und ein Pärchen aus Frankreich, das bei den Slisserows gerade verweilt. Selbige sind heute nicht da. Sie können nicht. Steffen kocht Pork statt Pansen. Dazu Rotkohl und Feigensoße.

Was denkst du? Sind die Ginsters vielleicht Vegetarier? Dann lies weiter unter 7.1.. Wenn du jedoch glaubst, ein jeder der Entourage mag Pork – so lies unter 7.2. weiter.

6.1.

Nein. Nein, Steffen feiert keine Parties im Garten. Die Geschichte ist zu Ende; ganz: partylos!

6.2.

Wenn Roosevelt an all den Blumen schnuppert und auch mal sein Bein an ihnen hebt, so übt sich Steffen gern in der Meditation. Wie auch jetzt, drum – findet diese Geschichte hier ihr Ende. Völlige Gedankenfreiheit ist nichts für eine Geschichte!

7.1.

Die Ginsters sind Vegetarier. Aber Steffen hatte es nicht bedacht. Sie gehen gleich wieder, diese Geschichte ist vorbei!

7.2.

Schwein mag ja ein jeder. Und so auch die Ginsters, Mc Fellows, das französische Pärchen. Ein Mc Fellow verschluckt sich jedoch an diesem Abend und muss ins Krankenhaus. DIESE Geschichte ist also zu Ende.

 

Die Weihnachtsgeschichte der Kelly, eine richtige Geschichte, und es weihnachtet sehr

Kelly, im Nadelöhr zwischen ihrem Schreibtisch, und ihrem Tisch, saß aufgehockert am offenen Fenster. Weihnachten, was für ein Wort, es hält immer, was es verspricht, leider nur kann dies alles sein. Es kann modrig sein und toll aber. Es kann mies sein. Und aus jüngerer Zeit stammend. Kelly wusste, es ist immer etwas Starkes, was das Fest ausmacht. Und wartete auf’s kommende X-mas, notierte einen Zettel – mit Wünschen. Ihr Fenster stand weit offen. Es war September: Zeit der Tage, die tiefschön sind. Kelly sah’s auch so und saß auch so, ganz nah dran an der seichten Luft, kündend von Herbst.

Geschenke hatte sie schon. Die ja kaufst am Besten das ganze Jahr über. Am Schönsten wäre es so, dachte Kelly und holte ihr Geschenk für Blanche und Eduard hervor, ihre Freunde, es waren ein Füller und ein Kugelschreiber, im Set, jeder sollte einen bekommen, und sie waren in ihrem Aquamarin und aus dem Holz so bezirzend, dass Kelly sie nun besah. Sie betastete sie auch, wischte dann ab und ab in den Schrank, bis Weihnachten, das dauert noch.

Außer in den Geschäften. Da fand sich das Zuckerzeug bereits. Und die Schietwetterweine. Alles ganz fein aufgereiht: haltbar bis Ostern. Kelly aß den Kram auch schon. Schmeckte ihr – eigentlich das ganze Jahr und so war eines ihre Lieblingsgetränke auch der Milchkaffee mit Zimtaroma, das ist wie Weihnachten im Becher.

Ihr Wunschzettel: Riesengroß sollte er werden. Bis jetzt stand nur dort drauf: Gefühl. Ihre Medikamente: Sie lösten eine Verflachung derer aus. Ihrer war sie es leid. Sie wollte Gefühl und das am besten gestern. Da ihr die Zeit so wie nicht wert vorkam. Allerdings spielte sie gerne Konsolenspiele. Da nur hatte sie gar nicht das Gefühl, etwas zu vertrödeln …

Es umgab sie mit schönen Sachen. Gerade übrigens auch am ersten Weihnachtsfeiertag und am zweiten. Heiligabend immer noch relaxt eigentlich. Nur die Familie, keine sozialen Sachen mit Lachen, obwohl viel Dreck mit bizarren Tanten und noch rassistischeren Onkeln am Tisch hochkommt. Da dann grub sie sich ein. Extra: Konsolenspielzeit!

Es ließ sie die Zeit vergessen. Auch die bis zum Fest, denn die war die Prekärste. Weihnachten, das steht einmal im Jahr auf dem Plan, und wenn dann du ab Sommer Panik davor hast, ist dies mehr als unerfreulich. Das halbe Jahr Weihnachten, dann lieber die Spiele. Jetzt schon.

Außer Rassismus, was eigentlich war noch. Konzentration vor allem. Aber nicht … auf das Wesentliche, nicht … wie der Gedanke des Festes es doch war. Vielmehr fehlte sie, die gute alte Konzentration, und zwar … bei Tisch! Kellys Psychose, die hatte Negativsymptome inne. Sie waren nicht die negativsten der Symptome der Psychose. Daswaren die Positivsymptome mit Angst und Stimmen und noch mehr Angst, auch unsäglich großer, und dann den Halluzinationen. Negativsymptome, das will, dass all diese Dinge, die eben nicht auf Seite der Positivsymptome stehen, beschrieben werden. Soziale Angst, soziale Abschottung, Gefühlsverflachung – und so weiter.

Kelly war einfach nicht belastbar. Am Tisch, es ist immer der Tisch, nie der Garten, konnte sie sich nicht fallenlassen, ganz sie selbst sein. Sie baute eine Konzentration auf, es war gar nicht intrinsisch, hielt sie, und hatte Angst davor, dass die Leute immer noch am Tisch saßen, wenn sie abzuflauen begann. Gerade auch, saßen die Rassisten bei Kaffee und Kuchen und ihr. Nämlich dann war es so, dass Kelly sich die Blöße nicht geben wollte. Sie spielte nicht die ganze Zeit an der Maschine am ersten und zweiten Weihnachtstag. Sie gab auch Widerstand.

Sie kommt aus der DDR. Und schon als Kind bot sie den Onkeln Paroli. Mit kurzen Sätzen, so prägnant, wie fast nur Kinder sie vermögen. In der DDR war es auch, wo Kelly „Bananen“ einmal auf ihren Wunschzettel schrieb. Die gab es damals nicht gerade in Hülle und Fülle. Es gab sie kaum, Kelly wollte welche, so landeten sie auf einem Wunschzettel, der … in den alten Weihnachten Anekdote war. Alt, das war ungefähr zwischen DDR und Psychose.

Das schönste Fest war es da. Es wurde gesungen. Und es gab die Geschenke, über und über: Es gab feines Essen! Und eine große Vorfreude, die gab es auch. Das ist vergangen. Rührseligkeit und Glückseligkeit waren mangelnder Konzentration gewichen – wundertoll. Kelly ging pinkeln.

Jahrelang träumte sie von einem Freund, der sie rausholte. Raus aus dem Tanten-Onkel-Horror. Tatsächlich sollte genau das in diesem Jahr zum ersten Mal passieren. Und zwar auf den Färöer-Inseln. Mit Kamin. Und sonst ohne alles. Mit Kamin! Und auch nicht ohne Geschenke. Sie würde Frank einen Rollkragenpullover schenken in diesem Jahr, er war rosa und beige, mit noch einem Klecks Weinrot. Sah schön aus. Würde ihm stehen, nicht kratzend stehen und gerade auch auf den Inseln. Wie sie es sich immer dachte, würde es werden, und das in diesem Jahr.

Weihnachten …

Es wird auch gekocht, dachte Kelly. Aktuell wollte sie nur Spaghetti. Aber mein Freund, der will immer nur essen gehen. Auch im Nirgendwo zwischen Island, dem UK.

Er wird auch eine CD geschenkt bekommen. Pillatoss hieß die Band, die Veröffentlichung der CD wird auch für Kelly wie Weihnachten sein. Sie wusste das auch schon, sie sehnte es herbei zwischen Schreibtisch und Tisch. Zwischen Schreibtisch und Tisch war schon ein bisschen Weihnachten bei Kelly.

Wunschzettel:

Keine Angst

– Färöer –

Gefühl

Lauschigkeit

Fuck-Racism-Gespräche

Kamin

Auch die Pillatoss-CD …

Essen gehen! Oder Spaghetti. Im Garten der Ferienwohnung.

Einen Mantel für die möglichen Spaghetti im Garten der Ferienwohnung